Montag, 24. April 2017

Madame Plüsch



Hier liegt sie nun, unsere schöne Katz' Allegra. 
Lang ausgestreckt und recht glücklich, auf ihrem 
grauen Plüschkissen unter der wärmenden 75 Watt 
Glühlampe auf dem Sideboard in der noch immer 
mit reichlich Dekokartons & erzgebirgischen Figuren 
vollgestellten Kleiderkammer 

Inzwischen verbringt sie wohl mindestens 23 Stunden 
des Tages dort. Und wenn wir Kuscheleinheiten benötigen, 
müssen wir sie dort besuchen. Die Zeiten, als sie noch 
ganz selbstverständlich morgens im Bett auf Wolfgang 
thronte und auf seinen Beinen den Ausblick in den Garten 
genoß, sind leider vorbei. Ebenso schlief sie zum letzten
 Mal an diesem Tag im Gartenfenster. Und auch in der 
Küchenfensterbank sitzt sie seit einigen Wochen meist nur 
noch kurz für eine Zwischenmahlzeit. Vorbei die Zeiten, 
als sie noch im Schrank hinter dem Bett im Versteck 
auf ihrem Plüschkissen schlief, oder als sie ganz selbst-
verständlich in meinem Arm liegend beim Online-Banking 
oder Rechnungen schreiben auf dem Küchentisch dabei 
sein wollte. Einige Minuten hält sie es machmal noch 
hinter der Gardine im Katzenfenster aus, aber schon bald 
verschwindet sie wieder in der Kleiderkammer. Und 
bisweilen ist sie wahrscheinlich so verwirrt - oder eventuell 
auch schon zu blind, so dass sie wohl eigentlich gern 
wieder auf ihrem Kissen liegen würde, aber erst auf ihren 
Treppen-Stuhl und dann auf das Sideboard springt, wenn 
wir mehrmals mit der Hand auf den Stuhl und dann 
auf das Sideboard klopfen.

Leider können wir nun auch die Tür zum Garten tagsüber 
nicht mehr einfach für sie geöffnet lassen, da uns Cäsar, 
der Nachbarskater sonst mehrmals täglich einen Besuch 
abstatten würde. Er kennt sich inzwischen schon so gut 
im Haus aus, dass er morgens häufiger schon vor unserem 
Bett stand und schon längst herausgefunden hat, wo sich 
die Futterbar befindet. Auch Allegras früheren Lieblingsplatz 
im Küchenfenster hatte er schon mehrmals besetzt. Und 
seitdem Allegra ihn Anfang März nachts irgendwann im Haus 
gestellt hatte und sich bei dem Kampf mit ihm so verletzte, 
dass sie am nächsten Tag wegen einer abgebrochen Kralle 
zum Tierarzt musste, ist das Verhältnis seitens unserer 
Hausdame leider ziemlich gestört. Cäsar hingegen würde 
trotzdem noch immer gern seinen Zweitwohnsitz bei uns 
einrichten. Zumindest an den Tagen, wenn in seinem 
Zuhause ein Pflegehund wohnt. Und das Gartenrevier 
der kleinen Maus hat er ja ohnehin schon seit einiger Zeit 
übernommen. So erscheint das schwarze Schmusetier nun 
also mehrmals am Tag im Garten und sitzt seit dem Tod 
der Maus mittags vor der Gartentür um sich sein tägliches 

Uns ist über Ostern nun wirklich klar geworden, dass durch 
den Verlust der kleinen Maus jetzt viel in unserem Leben 
fehlt, das Allegra nicht mehr befriedigen kann oder will. 
Und eigentlich wollen wir nun doch nicht mehr so vernünftig 
sein, Allegra erst in Ruhe sterben zu lassen, dann das Haus 
zu sanieren, um irgendwann in den nächsten Jahren bereit 
für zwei neue Katzen zu sein. Außerdem sind wir inzwischen 
der Meinung, dass die allmählich tüddelig werdende oder 
gar erblindende Allegra wieder einen kätzischen Gefährten 
zur Orientierung braucht. Auch wenn Maus & Allegra sich 
in den letzten Jahren meist aus dem Weg gegangen sind. 
Aber wahrscheinlich lag das auch eher an der Maus, die 
durch ihre Krankheit bisweilen unleidlich wurde ...

Vielleicht war es Schicksalsfügung, dass ich am Dienstag 
nach Ostern zu gar nichts Lust hatte und im www zunächst 
in Tierheimen und bei der Katzenhilfe nach 'gebrauchten' 
Katzen suchte. Aber dort wurde ich nicht fündig und 
stöberte dann weiter bei verschiedenen Internet-Haustier-
Kleinanzeigen. Dort begegnete mir ein 6 1/2 Monate altes 
graues Geschwisterpaar, das aus privaten Gründen ein 
neues liebevolles Zuhause sucht. Eigentlich sollte es ja 
nur eine ältere Katzendame für Allegra und uns werden, 
aber in das Foto der beiden Katzen-Teenager hatte ich mich 
sofort verliebt. Ich hatte Mühe nicht sogleich auf die Anzeige 
zu reagieren und stattdessen auf Wolfgang zu warten. Abends 
nahmen wir dann endlich Kontakt auf und bemerkten schon 
bei dem längeren Telefonat, dass die Abgabe der beiden
nicht leicht werden würde. Bald darauf wurde dann aber 
doch für Donnerstagabend ein Schnuppertermin vereinbart, 
zu dem wir mit allerlei Bestechungsversuchen anrückten. 
Der selbstsichere kleinen Kater Heisenberg war sofort 
schwer beschäftigt, als die mitgebrachte Katzenminze 
und das Katzengras, an dem Allegra zuvor schon etwas 
geknabbert hatte, im Flur auf dem Fußboden standen. 
Die zierliche, und uns gegenüber etwas zurückhaltendere 
Mila brauchte etwas länger, um sich dem neuen Grünzeug 
zu nähren. Und schon nach wenigen Minuten war klar, 
dass Mila Fremden gegenüber zunächst eine ähnliche 
Vorsicht an den Tag legt, wie wir es von Allegra gewöhnt 
sind. Heisenberg hingegen störte sich kaum an unserer 
Anwesenheit und war schon nach wenigen Minuten 
schwer mit der mitgebrachten und schon lang nicht mehr 
benutzten Fellmaus beschäftigt. Es war ein herrlicher 
Spieleabend. Und nach den über 3 Stunden, die wir mit 
den beiden grauen Katzen spielten oder sie auch einfach 
nur beobachteten, stand für uns fest, dass die beiden 
bereits kastrierten Geschwister auch vom Temperament 
die optimale Lösung für Allegra und uns sein würden. 
Denn die beiden sind Spielgefährten und könnten Allegra 
eventuell noch zu der einen oder anderen Teilnahme 
am Spiel motivieren. Doch wenn unsere Madame sich 
entschließt, weiterhin nur hoch oben auf ihrem Kissen 
zu verweilen, dann würden sie die beiden Halbstarken 
wohl etwas weniger nerven als 12 Wochen alte extrem 
unternehmungslustige Katzenkinder.

Doch nun müssen wir uns leider immer noch gedulden, 
denn wie schon erwartet, fällt es dem Paar unheimlich 
schwer, sich von den beiden Herzensbrechern zu trennen.

Foto: S.Schneider


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Na wenn das so gut angefangen hat mit den beiden Grauen, dann hoffen wir doch mal auf ein gutes Ende.
Wir drücken Daumen und Pfoten...
Ingrid, Amira, Luna und Tobias

Doro hat gesagt…

Renovieren geht auch mit Katzen und ältere Tiere schaffen das schon,sich auf Artgenossen einzustellen- vor allem wenn sie bis dato Teil einer Katzenherde waren....
Wenn das Herz gleich ja sagt,dann ist da was dran und dann muss es doch auch gut werden!?!
Was ist jetzt das Problem der abgebenden Fraktion? Ich hatte das so verstanden,dass aus irgendeinem Grund die grauen Geschwister ein neues zu Hause brauchen.... hilft es wenn sie " ihre" Tiere besuchen könnten!?!
Ich drücke auf jeden Fall weiter die Daumen,ganz feste! Doro

Pünktchen hat gesagt…

Es muß ganz furchtbar sein, seine Tiere warum auch immer abgeben zu müssen. In unserem Viertel erlebe ich das immer wieder, daß die Hundehaltung gerade für die älteren Menschen zum Problem wird. Sie schaffen es entweder körperlich nicht mehr, oder aber auch finanziell. Diejenigen, die finanziell gut dastehen, können immerhin den Gassi-Dienst von anderen übernehmen lassen. Schon traurig, das so zu sehen. Ich drücke Euch die Daumen, daß es doch noch klappt mit den beiden Neuzugängen. Alles Liebe.

SchneiderHein hat gesagt…

@ Ingrid
Ich hoffe, dass es für die beiden Geschwister so oder so ein gutes Leben wird. Für uns steht jedenfalls fest, wir wollen nicht allzu lange warten bis wir nun irgendwann zu fünft sind. Aber die beiden Kinder wären wohl schon optimal für uns…

@ Doro
Ich vermute, mit einem Besuchsrecht wäre es nicht einfacher. Wahrscheinlich kämen dann auch immer wieder Zweifel auf, ob es wirklich die richtige Entscheidung war.
Fest steht, dass es viele Katzen gibt, die unter schlechteren Bedingungen in der Wohnung gehalten werden. Und die beiden sind ja zumindest zu zweit. Aber es sind die ersten Katzen mit denen sie nun etwas über 3 Monate ihr Leben teilen. Und es wurde wohl unterschätzt, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit solche jungen Stubentiger benötigen. Außerdem ist der Balkon wohl nicht oder nur sehr schwer zu sichern, so dass die beiden zwar ein schönes großes Wohn- & Schlafzimmer mit Aussicht haben, aber wohl kaum in den Genuß von Frischluft kommen können. So wie sie sich zur Zeit verhalten, kommt das Gefühl auf, dass ein Leben hinter Glas bzw. ab und an an der Leine ihnen auf Dauer nicht gerecht wird. Und da sie einen Umzug in dem Alter noch besser verkraften als später, wurde die Anzeige nach Ostern aufgegeben. Da schlagen wirklich 2 Herzen in einer Brust …

Und bei uns war es doch ganz genauso, als wir uns auf die Anzeige meldeten. Wir waren uns ja auch nicht sicher, ob wir Allegra diese Umstellung wirklich antun können.

Fest steht, dass es für uns nun die nächsten 1 oder 2 Jahre so oder so wieder ein ganz anderes Leben wird. Denn nachdem ich mich an die Kinderzeit mit Maus & Allegra zurückerinnert habe, ging es hier zeitweilig ziemlich turbulent zu. Wir müssen nun also bald reichlich Dinge verpacken, die bei den alten Damen problemlos liegengelassen werden konnten oder einfach überall rumstanden. Ein Katzenkindgerechter Haushalt ist das bei uns zur Zeit überhaupt nicht. Und ein intensiver Frühjahrsputz steht vorher auch noch an. Das hat uns der kleine Heisenberg vorgeführt, als er die mitgebrachte Fellmaus, die er unter das Sofa gespielt hatte in Rückenlage wieder hervorholte. So ein quirliger 'Staubwedel' kommt noch in fast jede Ecke. Und dabei fiel mir auch wieder ein, dass wir schon in der ersten Woche mit der Maus zum Tierarzt mußten, da sie bei der Kellerinspektion sich irgendwo an einer Wand langgequetscht hatte, so dass sie abblätternde weiße Farbe am Kopf hatte, die wenig später zu einer Bindehautentzündung führte. Aber sie war ja diesbezüglich häufiger ein kleiner Unglücksrabe. Denn 2x mußte sie ja Sonntags auch zum Notarzt, da sie mal noch an der Leine eine Biene probierte und ein paar Jahre später total übermüdet an einem sonnigen Nachmittag beim Sprung vom Garagendach auf das Treppenhausdach abstürzte ...

@ Pünktchen
Die Gründe, die zu der Kleinanzeige führten habe ich @ Doro beschrieben. Aber nun kommen auch immer mehr berechtigte Zweifel ob es die richtige Entscheidung ist.
Bei finanziellen Problemen gibt es ja im Idealfall auch die Tiertafel. Und wenn es bei älteren Herrschaften gut läuft, findet sich ja vielleicht sogar jemand in der Nachbarschaft, der das Gassigehen übernimmt. Allerdings, wie das jetzt seit der Einführung des Hundführerscheins geregelt ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Wirklich schade, wenn solche Gründe zur Abgabe führen müssen - gerade für Alleinstehende sind die Tiere ja dann meist die einzige richtige Gesellschaft ...

Samtpfote hat gesagt…

Ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass es mit den beiden Jungspunden funktioniert. Und falls nicht, gibt es ja so viele Katzenseelen, die auf ein tolles Zuhause warten. Bei euch hätten sie auf jeden Fall den Himmel auf Erden.
Renovieren und Katzen gleichzeitig halten, das funktioniert. Ich habe das Ganze in den letzten 3 Jahren ja auch überstanden. Kaum eingezogen, wurde es laut und sehr staubig im Haus.
Es grüßt euch das Lotta-Tier

engelundteufel hat gesagt…

Hallo Silke,
vielleicht ist Allegra wirklich nach dem Tod der Maus in so ein Tief gefallen und ist motivationslos. Wir denken auch, dass die beiden ihr neues Leben schenken könnten. Und selbst wenn sie es nicht wahrnimmt, so habt ihr doch wieder Leben im Haus.
Wir drücken die Daumen und Pfötchen.
Schnurrer Engel und Teufel

Sara von Buelsdorf hat gesagt…

Wie sich doch alles verändert!
Ohne Blog würde man das gar nicht rekonstruieren können.

Cäsar ist aber doch auch ein ganz Hübscher! - Na, da bin ich aber gespannt, ich war noch gar nicht dazu gekommen, hier alles durchzulesen ... ob es mit den Beiden inzwischen geklappt hat. Heisenberg - was für ein Name! ;-) ;o)

Liebe Grüße
Sara