Dienstag, 21. März 2017

Grün und Grau




Foto: W.Hein


Dieses Bild wird wohl das letzte richtig schöne Foto 
unserer kleinen Maus sein. Auch wenn die Augen 
schon etwas 'tiefer' liegen - was auf den reduzierten 
Wasserhaushalt zurückzuführen ist, so sieht man ihr 
hier kaum an, dass ihre Tage ziemlich angezählt sind. 
Sie sitzt gerade bei mir auf dem Schoß und schaut 
interessiert, was Allegra vor ihr im Garten treibt 


Nachtrag Mittwoch 22. März 2017:
In den letzten Tagen ist sehr viel passiert, und so manche 
Packung Taschentücher wurde seitdem benötigt. Denn 
die kleine Graukatze zieht es seit einigen Tagen vor 
ihren alten Lebensraum zu meiden und stattdessen Tag 
zu hocken. Die Decke, die ich ihr dort zeitweilig für 
die kühle Wand anbot, wurde konsequent gemieden. 

Seit Samstag sind es meist nur noch teelöffelgroße Portionen, 
die sie nach viel gutem Zureden zu sich nimmt. Wasser wird 
sporadisch geschlabbert, aber freiwillig würde sie seit einigen 
Tagen ihre Näpfe an der Futterbar nicht mehr aufsuchen. 
Die Kraft dazu hätte sie jedoch noch. Etwas Paste von einem 
'Functional Snack' wird ab und an noch vom Finger geschleckt, 
doch da es am Samstag dann keinen 'Boxenstopp' mehr 
beim Tierarzt gab, ist ihr Appetit nahezu verschwunden. 
Und immer häufiger wendet sie sich nach einer kurzen 
Überlegungsphase ganz bewußt vom angeboten Futter ab.

Leider konnte ich den Tipp, den ich am Samstag bei 
der Terminabsage von unserem Tierarzt erhielt, bei 
der kleinen dickköpfigen Katze nicht anwenden. 
Er schlug vor ihr Traumisal als Schmerzmittel ins Futter
zu mischen. Aber nur 1x gelang es uns ihr extrem 
verwässertes Feuchtfutter mit einer halben pulverisierten 
Tablette unterzujubeln. Denn auch wenn das Mittel süß 
schmecken soll, lehnte sie danach diese Art der 
Feuchtfutter-Mischung ab.

Sehr nachdenklich stimmte mich, dass ihr Kot nach 
dem Dauerdurchfall seit dem 2. Weihnachtstag plötzlich 
2x wieder geformt, und zumindest dem Anschein nach 
erstaunlich normal war. Hatten wir doch zu oft einen 
'Boxenstopp' beim Tierarzt eingelegt, der ihr irgendwann 
mehr geschadet hatte als er nützte? Denn das Antibiotikum 
auch zu Durchfällen führen. Und Cortison macht durstig, 
so dass durch die häufigeren Klobesuche eine Blasen-
entzündung eventuell begünstigt wurde. Denn zeitweilig 
sah ich Blut im Urin. Glücklicherweise scheint dieses 
gesundheitliche Problem ihr aber keine Schmerzen 
zu bereiten. Und das sonst so typische Maunzen im 
Katzenklo war bei ihr nicht zu vernehmen. Da wir 
jedoch schon mehrfach in den letzten Monaten versucht 
hatten den Tierarzttermin hinauszuzögern, und es ihr 
danach recht schnell merklich schlechter ging, setzten wir 
bald darauf reumütig die Behandlung mit einer etwas 
widerwilligen Patientin fort. Allerdings kostete es uns 
einige Überlistungskünste sie rechtzeitig zum Termin 
in den Transportkorb zu verfrachten. Und es wurde 
von Mal zu Mal schwieriger. Die letzten beiden Versuche 
am sonnigen Samstagmorgen sowie am darauffolgenden 
Mittwoch arteten dann schon in ziemlichen Stress für 
uns drei aus. Und am Montag der letzten Woche 
verkroch sie sich mit angsterfüllten Augen hinter dem 
Geschirrspüler als sie bemerkte, dass ich geduscht und 
mich umgezogen hatte, um das Haus zu verlassen. Diese 
letzten beiden Termine hätten wir ihr vielleicht lieber 
ersparen sollen. Aber später ist man meist klüger. 
Und so konnte unsere kleine Graukatze noch so manches 
Futtervarianten genießen.

Was seit Donnerstag noch so geschah, ist zur Zeit 
nur in den Kommentaren nachzulesen. Es sind in 
den letzten Tagen reichlich Bilder von Maus & Allegra 
entstanden. Aber bisher bin ich noch nicht einmal 
dazu gekommen eine Vorauswahl zu treffen. Denn auch 
spielt, so machen wir uns auch um unsere alte Madame 
große Sorgen. Sie ist zur Zeit ziemlich verwirrt, benutzt 
zeitweilig nicht mehr ihr Katzenklo, hat die Dusche als 
sehr bequemen Pinkelplatz für sich entdeckt, schläft 
viel auf ihrem Kissen in der Kleiderkammer, frißt seltener 
und sucht ab und an an den früheren Aufenthaltsorten 
die Maus. So war sie zum Beispiel morgens um 4 Uhr 
sehr unruhig und wollte in die Kochbuch-Abteilung 
hinter der Schranktür schauen ...

Ob und wann ich es schaffe diese letzten, traurigen und 
trotzdem so wichtigen Tage zu posten, weiß ich nicht. 
Aber der Blick in unsere Blog-Statistik zeigt mir, dass 
nicht nur ich im Sommer 2010 - als Herr Katze lange 
wollte, ein immenses Informationsbedürfnis hatte. Auch 
nach über 6 Jahren werden seine Posts noch immer 
mehrmals täglich besucht. Und gerade gestern hatten 
Maus und ich noch wunderschöne gemeinsame Stunden - 
auch wenn sie inzwischen etwas wackelig auf den 
Pfötchen wird. Doch wären wir den inzwischen 
wieder aufkommenden Empfehlungen einiger 
tierlieber Freunde gefolgt, so hätten wir diesen 
gestrigen ganz besonderen Tag nicht mehr erleben 
können. Wir wissen, dass es eine Gradwanderung ist, 
ob es irgendwann den richtigen Zeitpunkt gibt das 
geliebte Tier besser zu 'erlösen' oder der Natur 'einfach' 
ihren Lauf zu lassen. Aber auch wenn die Maus jetzt 
wohl kaum noch etwas frißt, so hat sie gestern zumindest 
ihren Wasserhaushalt an einem mir bis dahin vollkommen 
unbekannten Teich in der Nachbarschaft aufgefüllt. Ob 
ihr der Bakterien-Coctail aus dem Fremdteich geschadet 
hat, ob sie sich beim Ausflug in der feuchten Nacht 
oder den 2 Spaziergängen auf der nassen Straße nun 
verkühlt hat? Aber eigentlich ist es doch egal. Jedenfalls 
waren ihr diese Ausflüge gestern wohl sehr wichtig. 
Ebenso wie die Zeit auf meinem Arm auf der Straße 
und im Sessel mit Blick zum Steg.

Und da sie zur Zeit noch recht wach vor der Küche sitzt, 
schauen wir bald wieder gemeinsam den Vögeln bei 
der Futtersuche, Revierkämpfen und den Amseln beim 
Nestbau zu. Und vielleicht zeigt sich uns ja sogar noch 
einmal das Mäuschen unter dem Steg 


Kommentare:

Pünktchen hat gesagt…

Ein Tier leiden zu sehen, das ist entsetzlich. Ihm dann noch den zusätzlichen Stress im Sterbeprozess anzutun finde ich ehrlichgesagt noch grausliger. Auch wenn das sehr sehr traurig ist, ist es gut, daß ihr sie begleitet und sie ansonsten nicht noch unnötig belastet. Ich wünsche euch trotz allem noch schöne Erlebnisse, in der Sonne, auf dem Arm und vor allen Dingen in Frieden - so würde ich es mir auch wünschen. Alles Liebe für euch Silke.

Christiane hat gesagt…

Man ist immer so hin und her gerissen in der Entscheidung, was denn nun das beste ist für das Tier. Einen Rat kann man den Betroffenen nicht geben, da ist jeder allein. Ich wünsche euch viel Kraft und einen Abschied in Frieden.
LG Christiane

Anonym hat gesagt…

Auf den Fotos schaut die kleine Maus so wohlig und tapfer aus, umso trauriger die letzten Texte. Ich glaub, die Maus weiß schon, wann der richtige Zeitpunkt ist und wünsch ihr ein friedlich schnurrendes Einschlummern in euren Armen! Alles Liebe für euch und genug Zeit und Kraft zum Abschied nehmen! Herzliche Grüße, Manu

Doro hat gesagt…

....der Natur ihren Lauf lassen ist oftmals sehr schwierig, weil wir uns nicht aktiv einbringen können....für mich ist aber das Leben und Sterben von einer höheren Macht gesteuert...das Mäusle weiß das- das zeigt mir das sehr schöne Grün- Graue-Mystikbild!
.... und wenn ich nochmal so bei Herrn Katze schaue,wie er seinen Abschied leben durfte,dann passt das was gerade geschieht auch sehr...In Gedanken zur Zeit täglich bei Euch, Doro

SchneiderHein hat gesagt…

@ Pünktchen
Sie wird von Tag zu Tag nun zwar leider weniger, aber zumindest ist das Vertrauen jetzt wohl wieder hergestellt. Vielleicht hat sie es irgendwie verstanden, dass wir ihr den Tierarzt ersparen wollen, und sie gehen kann wann es der richtige Zeitpunkt für sie ist …
Der gestrige Tag war auf eine sonderbare Art auch wundervoll. Zwar war ich richtig ängstlich, als ich sie morgens um 6 Uhr im Keller auf den kalten Fliesen ziemlich teilnahmslos sitzen sah, aber auf meinem Schoß im Sessel im Treppenhaus mit Gartenblick blühte sie nach einer Aufwärmphase wieder richtig auf. Irgendwann stand ihr der Sinn dann wieder nach Treppenhocken und etwas Schlaf. Mittags konnte ich sie sogar nochmals zum Wassertrinken motivieren, aber den letzten Streifen Paste hatte sie - glaube ich - vorgestern vom Finger geschleckt. Dafür war unser gemeinsamer Nachmittag ab 15 Uhr für uns beide sehr schön. Und kurz nach 18 Uhr stand ihr der Sinn dann wieder nach dem Platz vor der Küche. Nur zieht sie jetzt die Nähe zu ein paar Kästen, die rechts von der Tür stehen vor.
Vorhin trank sie noch etwas, aber der feuchte Katzenminzebeutel war dann auch schon zu viel. Sie fährt eben immer mehr runter. Schaute mich aber vor ca. 20 Minuten so aufgeweckt an, dass wir gleich wieder Vogel-TV im Treppenhaus schauen ...

SchneiderHein hat gesagt…

@ Christiane
Das, was ich hier schreibe und das, was ich hier hoffentlich irgendwann über die vergangen Wochen hier noch nachposten werde, soll auf keinen Fall eine Empfehlung sein! Mir geht es lediglich darum, wie schwer es ist so eine Situation richtig einzuschätzen - soweit das überhaupt möglich ist … Denn bei den letzten Tierarztterminen war unser Tierarzt immer noch erstaunt, wie interessiert sie sich seine Praxis ansah. Zu erlösende Tiere, die zu ihm kommen sehen anders aus. Und auch Herr Katze lag mehrmals halbtot auf der Seite, stand nach ca. 15 Minuten wieder auf und lebte noch weiter. Es scheint also häufiger vorzukommen, dass zwar die ersten Sterbephasen eintreten, aber es dann doch plötzlich wieder weitergeht.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich damals von dem Drang Sterbender gelesen habe, die sich kurz vor dem Ableben entkleideten. Das hatte meine Großmutter 2010 mehrmals geschafft. Auch lag sie bis zu 3 Tagen fast comatös im Bett, trank und aß nichts, wachte auf, erzählte von Kindern mit denen sie über Wiese & Bäche gesprungen war und sagte: 'Ich habe Hunger, ich will jetzt ein Brot essen' oder 'Och, ich will noch etwas hierbleiben …'

Aber ich habe Verständnis für Jeden, der das nicht leisten kann oder will. Denn es kostet wirklich viel Kraft und Mut, innere Ruhe und ist mit kaum einem Job vereinbar.

SchneiderHein hat gesagt…

@ Manu
Danke für Deine lieben Zeilen. Nur mit dem Schnuren hoffe ich, dass sie das nicht nötig hat. Denn dann wäre es für sie ein selbstbesänftigendes Schnurren, da sie Angst hat. Gestern war so ein Moment, als sie mich auf dem Schoß total erschöpft ansah - das wäre ein filmreifer schöner Tod gewesen, wenn sie dann einfach eingeschlafen wäre. Aber so leicht wird es sicherlich nicht für sie und uns werden …
Allerdings war es erstaunlich, dass sie danach zur Garagentür sah und zielstrebig durch die Garage über den Hof zur Straße ging, dort wieder etwas sinnierte und dann zur Nachbarin in den Vorgarten verschwand. Der Rest steht im gestrigen Post ...

SchneiderHein hat gesagt…

@ Doro
Du weißt, wie ich das meine …
Gestern hatte ich auch einen Moment des Zweifels. Plötzlich hatte ich mich ganz merkwürdig verschluckt, hatte Atemnot und musste in dem Moment an Deine Maus denken. Auch kam mir sofort der Hund einer Nacbbarin in den Sinn, den sie einschläfern ließ, da er sonst erstickt wäre. Und gestern lief dann auch noch ein Krimi, wo eine Asthmatikerin qualvoll erstickte.
Auch Herr Katze hat es sich wirklich nicht leicht gemacht, bis sein Leben ausgehaucht war. Aber im Idealfall hat der Körper ja wohl doch Schutzfunktionen eingebaut. Und inzwischen bin ich davon überzeugt, dass Schmerz oftmals auch nötig ist, um loslassen zu können.
Wie ich bei @ Pünktchen schon schrieb - sie fährt runter… Und wenn ich an meinen letzten Sommer denke, da gab es auch so manchen Tag, da konnte ich keinen Schluck Wasser vertragen, da ich dann sofort Gift und Galle spukte. Von daher kann ich gut verstehen, wenn die Maus sich nach der ersten Neugier fast angeekelt vom Futter abwendet und nur noch 1 bis 2x am Tag geringe Wassermengen zu sich nimmt. Nur vorgestern am Fremdteich, da war ihre Welt wohl plötzlich wieder in Ordnung ...

Sara Mary von Buelsdorf hat gesagt…

Ach, es ist so traurig! Bei Tieren geht das ja noch schneller als bei Menschen. Unserer Kitty geht es ja ähnlich. Sie ist sehr abgemagert und will ständig fressen. Wenn sie dann aber etwas aufgenommen hat, erbricht sie - zwar nicht jedes Mal - aber doch schon öfter.
Und dann noch die Wechselwirkung - meine schwerkranke Mutter und die schwerkranke Kitty .... ich glaube, beide können es nicht ertragen, sich gegenseitig so zu sehen.

Ich wünsche Dir/Euch alles Liebe!
Sara

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Stimmt, ab einem bestimmten Zeitpunkt - ich weiß aber nicht mehr, wann das war, ist der Kater auch nicht mehr zu meiner Großmutter ins Zimmer gekommen.

Für Kitty könnte ich Dir nur den Tipp geben, lieber mehrmals täglich ganz kleine Portionen. Aber mir ist klar, dass das unter den Umständen kaum möglich ist ...

Sara Mary von Buelsdorf hat gesagt…

Schon seltsam oder auch wieder nicht ... jeder von beiden erkennt sich wohl selbst im anderen. Wobei es meiner Mutter auch von Tag zu Tag wieder anders geht. Heute, nein gestern Abend hatte ich mit ihr telefoniert, da klang sie ganz munter und wie früher, richtig unternehmungslustig. ;-) ;o) Aber Du hattest das ja von Deiner Großmutter damals schon geschrieben, die viel schlief und dann wieder etwas unternehmen wollte und sich danach wieder hinlegte und schlief. Es ist ein ständiges Hin und Her, Auf und Ab und auch mit Kitty! Mal geht es einen Tag lang gut, sie wirkt wie früher, doch dann ist es beinahe schlimmer als zuvor ... aber Du kennst das ja, wem sage ich das ...
Ich habe noch nicht in aktuelle Post geguckt und hoffe, es ist alles soweit gut bei Euch.

Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
Sara

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Der gestrige Tag war wundervoll. Maus war von 8:15 Uhr bis kurz nach 19 Uhr ständig mit uns im Garten und kletterte 2x über den Zaun, um aus dem Nachbarteich zu trinken. Pepino - der Kater vor Cäsar war monatelang in der Phase zwischen Leben & Sterben, fraß auch tagelang mal nichts, aber trank eben aus diesem Teich, der sich durch Regenwasser füllt. Wir scherzten gestern schon über das 'Heilwasser' zumal wir etwas davon in eine leere Wasserflasche abfüllen, auf der Findus - die Katze von Peterson & Findus angebildet ist …
Wirklich erstaunlich, welche Kräfte unsere keine schwach Katzen noch hatte - oder einen ganz starken Willen.
Eben hat sie noch etwas getrunken und wir leben heute noch nach 'alter' Zeit. Sie liegt im Fenster, hatte versucht sich aufzurichten, aber nun schwinden wohl wirklich die Kräfte. Jetzt liegt das Köpfchen auf einer erhöhten Falte der Kucscheldecke - eigentlich ein idealer Morgen zum Sterben ...