Dienstag, 13. Januar 2015

einfach erstaunlich ...



So relativ entspannt saß unser graues Kätzchen 
kurz nach dem Tierarztbesuch im Gardinenspalt 
des Katzenfensters.

Auch wenn sie sich 2x hintereinander ganz heftig 
erschrocken hatte, als es die Spritze mit der Wurmkur 
und dann auch noch eine 2. Spritze mit Vitamin B12 
in den Nacken gab, so blieb sie bei all' den Unter-
suchungen doch recht gelassen. 

Der Tag und auch der Zeitpunkt waren wirklich 
gut gewählt, auch wenn im Vorfeld eigentlich alles 
schief lief, was nur möglich war. Aber seit einigen 
Tagen hatten wir uns fest vorgenommen unsere 
graue Dame mal wieder ihrem Tierarzt vorzustellen, 
da ihre Trinkmenge mit um die 500ml pro Tag und 
die Häufigkeit der Klobesuche mit ca. 5 bis 6x pro 
Tag seit etwa 1 1/2 Wochen konstant hoch blieben. 
Außerdem hatte sie vor einigen Tagen wieder den 
Kuschelplatz vor dem Katzenfenster als Katzenklo 
benutzt. Das letzte Mal war dies häufiger der Fall
lag die Vermutung nahe, dass irgendwo im Katzen-
körper wieder ein entzündlicher Prozess gegen die 
üblicherweise verabreichte Insulinmenge arbeitet. 

Außerdem war unsere Madame längst nicht mehr 
bei dem winterlichen Aprilwetter ist wohl fast 
jede Katze schlecht gelaunt. Und da sich noch 
dazu die Graslage in Haus & Garten erheblich 
verschlechtert hatte, gab es genug Begründungen
warum unsere Allegra die meiste Zeit schlafend 
im Schrank hinter dem Bett, auf der Fensterbank 
oder auf dem Kissen mit Gartenblick verbrachte. 

Aber da ihre Krallen ohnehin zu lang waren, 
eine Wurmkur mehr als überfällig war, und 
etwas mobilisieren könntegab es genug gute 
Gründe diese unangenehmeren Prozeduren 
der Katzenfürsorge lieber auch gleich dem 
Tierarzt zu überlassen. Denn durch die Insulin-
spritze etwa alle 16 Stunden, und der fast 
täglichen Gabe einer Tablette gegen Harnwegs-
entzündungen, wollten wir es uns mit der alten 
grauen Dame nicht noch weiter verderben. 
Wahrscheinlich wären wir auch ziemlich genervt, 
wenn wir versucht hätten ihr die Krallen zum 
ersten Mal selbst zu schneiden, und noch dazu 
irgendwie eine sperrige übelschmeckende Wurm-
tablette in die Katze zu bekommen. Das hätte 
uns alle drei nur unnötig gestresst, und Allegras 
Blutzuckerspiegel hätte es nochmals 
in die Höhe getrieben … 

Eigentlich wollten wir schon gestern gegen 11 Uhr 
mit ihr zum Tierarzt fahren. Aber ausgerechnet 
vor dem geplanten Termin hatten wir in der Nacht 
von Samstag auf Sonntag Allegras Insulinspritze 
gegen Mitternacht total verpennt, und sie erst 
3 Stunden später als sonst üblich gespritzt. Und so 
wäre der Tierarztbesuch am Montag nun mit dem 
optimalen Spritztermin kollidiert. Daher entschieden 
wir uns noch einen Tag zu warten. Doch bei der
 Spritze am Dienstagmorgen ging dann wirklich 
alles schief: Anstatt in der Katze landete zumindest 
ein Teil des Insulins auf meiner Hand. Wieviel nun 
trotzdem in der Katze angekommen war, war zu 
ungewiss, so dass wir uns entschlossen ihr lieber 
erst nach 12 Stunden eine neue Insulin-Dosis zu 
verabreichen. Und damit war klar, dass Madame 
beim Tierarzt total 'verstellt' sein würde, und 
ein Blutzuckertest somit vollkommen überflüssig 
wäre. Also entschieden wir den Termin nochmals 
um 2 Tage zu verschieben.

Doch im Laufe des Morgens war Allegra recht 
aufgeweckt & unternehmungslustig. Und schon 
gestern ging sie trotz windig-feuchtem Wetter 
einige Zeit mit mir im Garten spazieren. Also kam 
wohl wieder der Effekt zu Tage, dass unsere total 
'verstellte' Katze einige Zeit wesentlich gelassener 
und motivierter durchs Leben geht. Daher rief 
ich dann doch beim Tierarzt an, und wir rückten 
gegen 11 Uhr mit einer zwar maunzenden aber
 trotzdem neugierigen Katze im Körbchen an.

Und auf dem Untersuchungstisch zeigte sich mal 
wirklich ideal ist. Denn zunächst konnte Allegra in 
der vertrauteren Unterschale sitzen bleiben und 
die ersten harmlosen Untersuchungen fanden im 
Körbchen statt. Und als es ans Abtasten ging, wurde 
Katz' samt ihres großen Biberbettlakens auf den 
kalten Untersuchungstisch gesetzt. Dort ließ sie 
sich bei Bedarf auch gut drauf drehen & wenden. 
Und wenn es ihr zwischenzeitlich zu viel wurde, 
durfte sie auch wieder näher an ihren Wolfgang 
heranrücken, was die Untersuchungssituation 
ebenfalls erheblich entspannte. Insgesamt war 
unser Tierarzt mit ihr noch immer recht zufrieden. 

Nur beim Betrachten der Augen stellte er fest, 
dass die Bindehäute leicht anämisch sind - also 
ihre Nieren, wie schon lange erwartet, nicht mehr 
so gut arbeiten. Doch Mäulchen, Temperatur, 
Haut, Fell, Atmung, Körperhaltung und Verhalten 
geben noch keinen Grund zur Besorgnis.

Also bekam Madame so nebenbei im Gespräch 
die Krallen geschnitten, es wurde 2x für Wurmkur 
und Vitamin B12 gepikst, und dann durfte sie 
wieder mit dem kuscheligen Laken in der Unter-
schale des Transportkorbes Platz nehmen. Dann 
fix die Haube drauf, das Gitter eingesetzt, und 
Allegra fühlte sich etwas geborgener. 

Einen Bluttest haben wir nicht machen lassen, 
denn zur Nahrungsergänzung wird für sie jetzt 
noch eine Paste bestellt, die ihr hoffentlich 
auch einige Zeit schmeckt. Und am Nachmittag 
bestellte ich auf Empfehlung unseres Tierarztes 
hatte unser Tierarzt schon bei einigen Katzen 
gesundheitliche Erfolge erzielen können, die sonst 
nur noch mit Kortison behandelt werden konnten.

Schade, dass ich diese verschiedenen Vorschläge 
damals im Mai 2010, bei dem kranken Herrn Katze, 
nicht von seinen behandelnden Tierärzten erhalten 
habe. Stattdessen wurde ihm ein Langzeitkortison 
gespritzt, das bei ihm Diabetes auslöste, und später 
durch das feuchte Wetter zu extremen Harnwegs-
entzündingen führte, die irgendwann nicht mehr 
durch Antibiotika zu behandeln waren ...

Foto: S.Schneider


Kommentare:

Brigitte hat gesagt…

Leider ist man im Nachhinein immer klüger. Ich bin doch sicher, dass ihr damals bei Herrn Katze alles getan habt, was in eurer Macht stand. Und ich stelle mir vor, ich hätte mich auch auf die Tierärzte verlassen. Was denn sonst, man glaubt ja, sie hätten ihr Metier gelernt.

Nun ist ja euer Besuch beim TA dieses Mal sehr gut über die Bühne gegangen. Wobei unserem "Chef" noch nie die Krallen gestutzt wurden. Da könnte man wohl nur im Ganzkörperanzug an ihn hin oder eben unter Narkose. Aber, ich habe jetzt nachgesehen - ist nicht nötig. Er ist Herrscher über den Kratzbaum im Vorraum.

Die Wurmkurspritze bevorzugen wir auch, wer sollte denn dem brummenden Löwen die Kur in den Nacken bringen? Da zischt und faucht er.

Übrigens, auch Winnie ist viel besser handelbar, wenn wir ihn im Korb belassen und nur das Oberteil abnehmen. Sonst kann der TA gleich mit dem dicken Handschuh antanzen.

Wir hoffen mit euch, dass alle Behandlungen Allegra gut getan haben.

Liebe Grüße, Brigitte

Doro hat gesagt…

....na gut,dass Ihr wenigstens jetzt einen guten TA habt...Stellt Euch vor Ihr wärt mit den Mäusen immer noch beim Anderen!
P.S. Das Wetter stört die Sookie nicht-aber mich ;)
Grüssle von Doro

SchneiderHein hat gesagt…

@ Doro
Mit den beiden grauen Katzenkindern waren wir schon immer bei diesem Tierarzt. Allerdings kommen wir mit ihm erst besser klar, seitdem Allegra Diabetikerin ist. Vielleicht ist es auch das harte Tierarzt-Training, dass ich mit Herrn Katze in BS erleben musste ...
Leider hatte ich für ihn ja erst durch die mobile Tierheilpraktikerin, die am 21. August 2010 zusammen mit meiner Mutter und mir im Garten saß, um Herrn Katze zu beobachten, eine wirklich gute Tierärztin für den totkranken Kater gefunden. Ich gehe davon aus, dass sie auch schon früher andere Behandlungswege für ihn vorgeschlagen hätte.
Aus dieser traurigen Erfahrung bin ich zumindest klüger geworden. Und die Mäuse können nun hoffentlich davon profitieren, dass ich jetzt anders mit Tierärzten umgehe. Denn mit Maus hatten wir ja schon mal sonntags 2 Notfälle - als sie ein Fluginsekt fraß und der Stachel in der Zunge steckte. Und als sie beim Sprung von der Garage zum Treppenhausdach 3,5m in die Tiefe stürzte. Den vierten Tierarzt in Hannover lernten wir dann kennen, als sie im tiefsten Winter in unserer Stadtwohnung unters Podest vom Bett kroch und mit einer Bindehautentzündung wieder hervorkam. Das war eine schicke Praxis, die noch bezahlt werden musste. Da bekam ich eine perfekte Rechnung, konnte mit EC-Karte zahlen, und es wurden allerlei teure Tests gemacht, die am Ende zu einer Augensalbe führten. Die hätte ich bei ihrem anderen Tierarzt auch ohne Tests für wesentlich weniger Geld & Stress bekommen ...

SchneiderHein hat gesagt…

@ Brigitte
So, jetzt Du! Ich musste nur zuerst 3 total verhungerte Katzen versorgen …

Ja, so sehe ich das auch. Nur meine Lernerfahrung hätte ich dem armen alten und noch dazu ebenso scheuen Kater - wie es Allegra ja auch ist, gerne erspart. Und eigentlich war ich im Vergleich zu Bibi - unserem ersten Kater, damals schon ganz anders drauf. Zum Beispiel was im Krankheitsfall - wie ab dem 5 Lebensjahr häufiger mal Struvitsteine, dann mit ihm gemacht werden sollte, oder was sich durch Futterveränderung ev. regulieren ließ.
Und nachdem ich mir damals ja schon häufiger ansehen konnte, wie falsch der Hausarzt meiner Großmutter teilweise mit seiner Diagnose lag, als meine Großmutter zum ersten Mal im November 2002 wegen Dehydrierung randalierte: 'Haben Sie Geduld, behalten Sie die Nerven, die ist eh' in 2 oder 3 Tagen tot ...' sagte er damals zu meiner Mutter.
Seitdem bin ich bei Tierärzten und Ärzten auch kein einfacher Begleiter oder Patient mehr.
Und das, was wir bei Wolfgangs Mutter dann Ende April/Anfang Mai trotzKrankenhaus-Zusatzversicherung mit 'Chefarzt-Behandlung' erlebten, macht mir in Bezug auf Diagnosen, ärztliche Beratungsgespräche, Patientenverfügungen, den Umgang mit Todkranken und der von Politikern als so wichtig betrachteten Sterbebegleitung echt Angst ...

Ja, der Tierarzt-Besuch hätte besser nicht verlaufen können. Aber wie ich ja schon bei Doro schrieb, bin ich diesbezüglich inzwischen ja auch durch eine harte Schule gegangen. Und auch die vielfältigen Blogs haben meine Sichtweise in vielerlei Hinsicht im Laufe der Jahre verändert. Es war eben auch echt Arbeit sich nach über 13 Jahren jetzt teilweise ganz anders als früher mit unserem Tierarzt zu unterhalten.

Und ich muss ihm recht geben, dass es für Allegra eine wirkliche Erleichterung ist, jetzt wieder mit kürzeren Krallen unterwegs zu sein. Denn zeitweilig fällt es ihr schwer die Nadelfilzfliesen im Treppenhaus aufzurauen. Und zum Abknabbern der Krallenhülsen fehlen ihr ja inzwischen die Zähne. Es war wirklich erstaunlich, wie sie da saß und fast Pfötchen gab. Und Zuhause angekommen, wurde im Treppenhaus auf den Fliesen gleich nachgearbeitet :-)

Früher gab es immer die Wurmkur in Form von Tabletten und für Allegra auch mal ein Spot on Produkt. Aber so in einem Abwasch war das ideal.

Danach war sie mit mir im Garten. Fotos folgen ...