Dienstag, 25. Februar 2014

unternehmungslustige Katz'



Gegen 17 Uhr erschien Allegra heute plötzlich im Garten. 
Und nach etwas Recken und Strecken …

setzte sie sich einige Zeit neben dem Taxus auf den Steg. 
Von dort hat sie den Nachbargarten und gegebenenfalls den 
aufdringlichen Kater Cäsar gut im Blick. Auch die Beton-
fläche weiter hinten im Garten, war ihr wohl nicht mehr 
geheuer, denn dort lag plötzlich einiges an Schnittgut. 
Und, wie sie heute früh irritiert feststellen musste, lohnt 
sich ein Besuch der Betonfläche vorerst nicht mehr für sie. 
Denn ihr Lieblingsgras am Holzbalken war vertrocknet, 
und ist nun komplett runtergeschnitten.

Und so begab sich Madame nach einiger Zeit wieder zum Haus. 
Leider ist sie immer noch recht stumm. Aber ein kurzer Blick 

Allegra konnte sich von dieser markanten Katzenkante 
gar nicht losreißen. Immer wieder wurde geschnuppert 
oder mit dem Köpfchen markiert. Denn Kater Cäsar hat 
in letzter Zeit nicht nur überall im Garten seine Spuren 
hinterlassen, sondern auch schon mindestens 2x Haus-
friedensbruch begangen! Inzwischen haben wir ihn sogar 
schon auf der Treppe zum Wohnraum erwischt …

Maus reagiert meist ziemlich genervt auf den schwarzen, 
sehr gelassenen und extrem neugierigen Eindringling 
und versucht ihre Gartenzeit so zu verlegen, dass sie ihm 
möglichst selten begegnet. 

Bei Allegra hingegen scheint es extrem von der Tagesform 
abzuhängen. Jedenfalls war sie heute so sehr von seinen 
Spuren auf dem Dach fasziniert, dass sie ihnen bis zum 
folgte. Und plötzlich erklang ein etwas dumpfes Poltern. 
War Katz' nun abgesprungen oder vom 1,8m hohen Zaun 
gefallen? Also schnell durch die Garage zur Hoftür. Nur 
klemmte die Metalltür inzwischen so sehr, dass sie sich 
nicht mehr öffnen lässt. Zwischenzeitlich schien Allegra 
ein kleinlautes 'Mau' von sich zu geben. Und nun hieß es 
ganz fix zur Haustür zu eilen, um die Katze vom Hof
abzuholen. Aber alle Sorgen waren unbegründet. Denn
Madame saß geduldig vor der Tür und hoffte auf Einlass. 
Als sie mich sah, schien sie zu überlegen, ob sie nun 
noch etwas genauer die Einfahrt und die Hundewiese 
unserer Nachbarn inspizieren sollte. Leicht widerwillig
 ließ sie sich jedoch zur Haustür tragen und war dann 
doch froh wieder in Sicherheit zu sein.

Fotos: S.Schneider



Das alles geschah etwa 2 Stunden nach der letzten Insulin-Dosis 
mit 2 Einheiten, die Allegra gegen 15 Uhr bekam. Die voran-
gegangene Innsulinspritze lag zu dem Zeitpunkt etwa 17 Stunden
 zurück. Und allmählich scheint sich wieder etwas 'Normalität' 
bei ihr einzustellen … 

Ich muss ehrlich zugeben, dass wir seit der Sedierung für die 
Zahn-OP beim Tierarzt ziemlich verunsichert waren, wie wir 
danach mit unserer grauen Diabetikerin umgehen sollten. 
Denn für den am Montag, dem 10. Februar geplanten Termin
 um 10:30 Uhr, mussten wir schon am Wochenende unsere 
sonst üblichen Spritztermine erheblich verändern. Allegra
sollte zu dem Zeitpunkt wegen der erforderlichen Sedierung/
Narkose für die Behandlung von Zähnchen & Zahnfleisch 
nüchtern sein. Dafür hätten wir nun aber nach der Termin-
absprache am Samstagvormittag die verbleibenden Insulin-
Spritztermine erheblich verkürzen bzw. hinauszögern oder 
die Dosierung entsprechend anpassen müssen. Wir entschieden 
uns für das Hinauszögern bei gleichbleibender Einheit, so dass 
sie ihre letzte Insulinspritze Sonntag gegen Mitternacht erhielt. 
Leider fraß sie zu dem Zeitpunkt nur mäßig und nutzte die Zeit 
bis 5 Uhr wohl auch kaum zum sonst typischen mehrmaligen 
Nacht-Snacken. Ab 7 Uhr suchte sie ziemlich verzweifelt nach 
Futter und begann gegen 8 Uhr ihren extremen Hunger mit 
Gras zu lindern. Leider mussten wir durch einen kleinen 
Notfall-Patienten fast 30 Minuten länger beim Tierarzt warten. 
Kein Wunder, dass all' diese Umstände zu einem nicht mehr 
messbaren Blutzuckerwert geführt haben … 

Als Allegra dann endlich wohl gegen 11:30 Uhr sediert wurde, 
wollte Katz' nicht wie erhofft gleich einschlafen. Unser Tierarzt 
hatte absichtlich eine möglichst geringe Dosis gewählt, um den 
ohnehin geschwächten  Körper nicht unnötig zu belasten. Aber 
so verzögerte sich der geplante Eingriff, und wir konnten unser 
halbwaches Etwas erst gegen 12:30 Uhr wieder abholen. 

Kaum Zuhause angekommen, dauerte es nicht lange, bis Allegra 
ganz dringend ihr Katzenklo aufsuchen musste. Und danach 
hatte sich das benebelte graue Köpfchen entschieden, dass es 
nun endlich Futter geben müsste! Mit unserem Tierarzt war 
abgesprochen, dass sie zunächst etwas Wasser bekommen sollte
 und vielleicht in ca. 4 Stunden mit viel Wasser verdünntes 
Feuchtfutter schlabbern könnte. Aber Allegra war bereits nach 
einer Stunde so unruhig und schleppte sich immer wieder zur 
Futterstelle. Wasser und Feuchtfuttersuppe lehnte sie ab, 
wollte aber unbedingt etwas fressen, so dass wir ihr einen 
Soßenbeutel in das Schälchen füllten. Das Schmerzmittel 
schien gut zu wirken, denn Allegra schlabberte umgehend 
alles weg. Und da sie nicht zur Ruhe kam, füllten wir nach 
einiger Zeit nochmals nach. Und bald darauf verschwand auch 
ein dritter Beutel fast komplett in der Katze. Gegen 17 Uhr 
gab es dann die bereits erwartende Konsequenz: Sie erbrach 
die Soße. Aber bis dahin konnte sie wenigstens etwas 
gelassener ihren Rausch auf einer Kuscheldecke ganz dicht 
an der Futterbar ausschlafen ... 

Jedenfalls entschieden wir uns, nachdem Allegra nochmals 
am Abend die restlichen Soßenbeutel erbrach, auf die mit 
dem Tierarzt besprochene kleine Insulin-Dosis am Abend 
zu verzichten. Erst am folgenden Morgen, als sie ab 4 Uhr 
mit viel Wasser verdünntes Nassfutter zu sich nahm - und 
auch im geschwächten Körper behielt, erschien sie uns 
wieder einigermaßen hergestellt. So versuchten wir es nun 
mit nur 1 Einheit Caninsuiln. Und steigerten uns am Abend 
auf 1,5 Einheiten. In den folgenden Tagen besuchte Allegra 
relativ häufig ihr Katzenklo bei verhältnismäßig geringer 
Wasseraufnahme - das sehr feuchte Feuchtfutter wurde 
dabei natürlich berücksichtigt. Jedenfalls hatte ich plötzlich 
ein ziemliches Leichtgewicht auf dem Arm, wenn ich sie 
für die Isulinspritzen hochnahm. 

So verschlief sie leider oftmals den größten Teil des Tages, 
der Garten lockte weder mit frischem Gras noch mit schönem 
Wetter, Kater Cäsar machte Hausbesuche, Maus war genervt, 
unsere Stimmung etwas bedrückt, Wolfgang hatte leider sehr 
wenig Zeit für seine Madame, Katz' stand seltener der Sinn 
nach Kuschelzeiten, und das angebotene Futter schmeckte 
ihr nur manchmal. Häufiger als sonst bemerkten wir auch
wieder zwischendurch die Bewegungsaussetzer im Gang, die 
wahrscheinlich mit der Neuropathie zusammenhängen. Ganz 
auffällig zeigte sich das Durchbiegen der Vorderpfoten am 
Nachmittag nach der Sedierung. Doch meist fiel uns der un-
kontrollierte Gang im Zusammenhang mit Unsicherheit auf - 
z.B. wenn Allegra befürchtete, dass Cäsar sich dem Haus 
nährte oder sich eventuell schon im Treppenhaus befand. 
Auch traten kurze Unregelmäßigkeiten im Bewegungsablauf 
auf, wenn sie sich wahrscheinlich im Garten verkühlt hatte. 
Viele Stellschrauben, die nur begrenzt unserem Einfluß 
unterliegen, und die sich ganz unterschiedlich auf Allegras 
Befinden auswirken können. Zumal die Vorbereitung zur 
Sedierung, und der für unsere alte Dame nicht unerhebliche 
Eingriff im Mäulchen jetzt erst etwas mehr als 14 Tage 
zurückliegen.

Nach dem heutigen Tag sehen wir nun aber einen leichten 
Hoffnungsschimmer, so dass wir vielleicht doch bei dem 
uns inzwischen vertrauten Umgang mit Allegras Diabetes 
bleiben können … 

Optimal ist dieser Weg sicherlich nicht. Und er soll auch 
ganz bestimmt keine Empfehlung für den Umgang mit einer
diabetische Katzen darstellen! Nur, nachdem wir zufällig im 
Laufe der Jahre immer mal wieder feststellen mussten, dass 
Allegra wesentlich aufgeweckter und unternehmungslustiger 
erscheint, wenn wir bei konstanter recht geringer Dosis ihre 
Spritzzeiten teilweise etwas variiert haben, ist das für uns 
ein zum unregelmäßigen Berufsleben passender und hand-
habbarer Weg. Uns ist bewusst, dass wir Allegras Lebenszeit 
damit sicherlich verkürzen werden. Aber dafür gibt es für 
sie dann hoffentlich noch ab und an ein paar Erlebnisse
12-Stunden Insulin-Rhythmus sonst oft verschlafen würde.

in den fast 4 Jahren seit Allegra Diabetesbefund schon oft 
nachgedacht und auch schon häufiger mit unserem Tierarzt 
darüber gesprochen. Aber bis zum Herbst ist ein eventueller 
Umstieg aus beruflichen Gründen einfach nicht möglich. 
Denn es zeichnet sich ab, dass Allegras Hauptbezugsperson 
genau wie in 2010 kaum Zeit für die graue Dame haben wird. 
Dieser Zustand hatte im Frühjahr vor 4 Jahren sicherlich 
die diabetischen Symptome bei Allegra begünstigt. Denn 
erst im Februar 2011, als ihr Wolfgang wieder mehr Zeit 
mit seiner Madame verbringen konnte, wurde sie wieder 
mehr zu dem verspielten und unternehmungslustigen 
Kätzchen, das es früher einmal war.

Als unser Tierarzt nach der Blutabnahme und den zu hohen 
Blutzuckerwerten noch kurz mit uns überlegte, wie wir nun 
zukünftig mit der Insulin-Dosierung bzw. den Spritzzeiten 
umgehen sollten, fragte er uns plötzlich: 'Wollen Sie gute 
Werte, oder eine Katze, die noch etwas Spass am Leben hat?' 
Für uns - und hoffentlich auch für Allegra, ist das eine 
Behandlungsstrategie, die zu uns passt …


Kommentare:

Brigitte hat gesagt…

Das habe ich jetzt sehr aufmerksam gelesen, denn ich wollte die Geschichte schon länger genauer wissen!

Schön, dass es ihr auch wieder besser geht!

Liebe Grüße, Brigitte

SchneiderHein hat gesagt…

@ Brigitte
Das ahnte ich schon ;-) Da wir aber sehr unsicher waren, und ich drauf und dran war Allegra am Donnerstag nochmals zum Tierarzt zu bringen, weil nix mehr zusammenpasste, fiel es schwer darüber zu schreiben.
Doch vielleicht hat sie ja die 'Androhung' verstanden ...
Gestern Nachmittag war sie dann zwar ziemlich erschöpft und hat nach dem Insulin fast 11 Stunden geschlafen. Aber dafür war sie auch über 1 Stunde im sonnigen Garten bis zur Ostgrenze unterwegs. Das war ziemlich aufregend und anstrengend. Was Wetter ausmachen kann - Sonne weckt Lebensgeister :-)