Donnerstag, 14. Oktober 2010

17 Uhr im Garten - unglücklich?



Sieht so ein leidender kranker Kater aus?


Nachdem meine erkältete Mutter und ich den Tag lieber im
warmen Wohnzimmer anstatt im Wintergarten beim Kater
verbrachten, plagte uns das schlechte Gewissen. Inzwischen
zeigt das Thermometer tagsüber höchstens noch 12 Grad an,
und die Wetterprognosen werden immer schlechter. Wie
lange kann bzw. soll das Katertier nun noch im Biberbettlaken
auf der Liege schlafen? Also überlegten wir uns kleine 'Laufstall'-
Alternativen für die nun kommenden kalten Tage. Zum Beispiel
im Blumenfenster im Wohnzimmer zur Straße, oder aber ein
kleiner abgegrenzter Bereich an der Fensterscheibe mit Garten-
blick im kühleren Wohnraum. Doch bevor es an die Umsetzung
gehen sollte, holte ich Herrn Katze am Nachmittag in seinem
Laken zum Aufwärmen ins Haus. Doch weder auf dem Schoß
im Wohnzimmer noch in der Fensterbank zur Straße gefiel es
ihm. Nach einem kurzen Abstecher in die Küche setzte er sich
vor die Kellertür. Nach dem Motto 'Wenn schon nicht draußen,
dann lieber gleich in den Keller!' Also startete ich den nächsten
Versuch im Wohnzimmer mit dem Gartenblick. Doch als ich dort
nur kurz die Tür zum Garten öffnete, war Herr Katze sogleich
wieder auf dem Weg in seinen Garten. Ein kurzer Zwischenstopp
im Beet und dann ging es in Etappen über den Rasen zurück zum
Wintergarten. Also wurde das Katertier warm in Tücher verpackt
und schlief bald darauf wieder selig auf seiner Liege. Bis 18 Uhr
schaute ich häufiger bei ihm vorbei, sah aber immer nur ein
friedlich schlafendes Katerköpfchen unter dem Laken. Nach 18 Uhr
hob sich sein Köpfchen erwartungsvoll. Frische Luft macht hungrig!
Und wieder passte der Inhalt eines ganzen Futterschälchens
in den kleinen Katerbauch ...

Foto: S.Schneider


Kommentare:

Petra hat gesagt…

Ach, das ist doch wirklich lieb ...ich glaube er fühlt sich doch sehr wohl....

Alex aus dem Gwundergarten hat gesagt…

Musste gleich mal wieder vorbei schauen um zu sehen, wie's dem alten Herrn geht. Jöh, er ist einfach zum Knutschen. Du, wenn er aber in den Garten will, warum nicht... weisst Du, wie Du schon geschrieben hast, wird er vermutlich eh nicht mehr so viel Zeit übrig haben. Und ich denke, wenn er unter "Aufsicht" (so weit das geht ) raus kann und dann wieder sich unter dem Biberlaken aufwärmen kann... warum nicht, wenn's ihn glücklich macht? Aber ich versteh Dich schon, ich hatte diese Angst bei meiner Jazz damals auch als sie krank war und habe ihr wohl vieles untersagt, was vermutlich für sie schon richtig gewesen wäre. Katzen sind ja eigentlich nicht doof *kicher*.
Schön wieder von Dir zu lesen und knuddle mal den Schnuckel von mir.
Liebe Grüsse
Alex

katzenfreundin hat gesagt…

Ich sehe das auch so. Er scheint sich wirklich wohl zu fühlen, warum also nicht?

Liebe Grüße


Claudia

renate hat gesagt…

Wie schön. Das hübsche graue Katertierchen lebt sein Leben.
Danke, dass Ihr es zulasst. Immer, wenn ich Deine liebevollen "Berichte" lese, bin ich sehr berührt. Und ich wünsche mir, dass jedes Lebewesen diese Möglichkeit hat, sich in Würde und mir der entsprechenden Zeit zu verabschieden.
In der Zeit heute, wo alles zack-zack gehen muss, werden oft andere Entscheidungen gefällt.
Ich danke dir, liebe Silke, herzlich dafür, dass Ihr anders mit diesem Abschied umgeht. Und ich wünsche dem kleinen Kerlchen, dass er an seinem Lieblingsplatz in aller Ruhe seinen letzen Weg antreten kann. Einschlafen - um dann friedlich sein Seelchen dort hin schicken kann, wo all die anderen ihn in Empfang nehmen.
Sehr gerührt - Renate

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Petra
Ich vermute er passt sich einfach seinen Umständen an und macht das Beste draus. Ab und an scheint es wohl auch ohne Roastbeef noch ein paar schöne Momente für ihn zu geben ...

@ Alex
Solange das Wetter trocken und nicht allzu kalt ist, kann er noch selbst entscheiden wann er einen Spaziergang macht. Nur bei starkem Regen sperrt ihn meine Mutter im Wintergarten ein.
Und doof ist er wirklich nicht: Denn zwischenzeitlich war er sogar mal auf seinem Katzenklo im Wintergarten, sprang danach auf die Liege und kroch wieder unter sein Laken. Natürlich nehmen seine Kräfte von Tag zu Tag mehr ab und irgendwann ist er vielleicht zu schwach dazu, aber dann ist seine Zeit eben gekommen. Wahrscheinlich will er seinen Weg so gehen ...

@ Claudia
Ja, auf seiner Liege liegt er jedenfalls noch sehr oft entspannt und wenn es Roastbeef gibt, dann ist er wirklich glücklich!

@ Renate
Aber es fällt verdammt schwer. Mehrmals am Tag sehe ich mir ihn ziemlich genau an wenn ich in BS bin und überlege, ob es nicht doch an der Zeit ist. Aber er scheint kaum Schmerzen zu haben und teilt sich seinen Gartenspaziergang ein. Ich vergleiche das zur Zeit mit meiner Großmutter, die damals mit dem Rollator an den Blumenbeeten langwackelte und sich über ihren Garten freute.

Und wenn es Roastbeef gibt, dann erhebt er sich sogar etwas von seinem Lager und macht schnurrend Kopf-Gymnastik ;-)

Allerdings erfordert es sehr viel Zeit einem Tier so viel Aufmerksamkeit und Betreuung zu schenken.
Mit einem normalen Berufsleben wäre das nicht vereinbar. Daher kann ich gut verstehen, dass viele diesen Weg vorher beenden ...