Freitag, 17. September 2010

Es war ein komisches Gefühl ...



... als Klein Katze gegen 14 Uhr aus dem Wintergarten
nach links abbog, um sich gleich im Rasen vor dem
kleinen Garagenbeet niederzulassen.

Denn als ich frühen Nachmittag ankam, erzählte mir meine Mutter,
dass sie schon einige Zeit zwischen ihren beiden Pflegefällen in
Haus & Garten hin und her pendele. Meine Großmutter war ständig
damit beschäftigt ihre Verbände abzunehmen bzw. sich zu ent-
kleiden, und der Kater wollte nicht allein im Garten sein. Er schaffte
es sogar über die Gartentreppe durchs Wohnzimmer bis zur Küche.
Sein Verhalten kam ihr verändert vor: Er war appetitlos, und sie
hatte das Gefühl, dass ihm das Antibiotikum vom Morgen arg zu-
gesetzt hatte. Sie vermutete sogar, dass er nun doch bald sterben
könnte, da er einerseits durch den Garten streifte, aber anderer-
seits nicht alleine sein wollte.

Vom schattigen Rasen wechselte er bald darauf zur
Vogeltränke in der Nähe des kleinen Teiches. Das ab-
gestandene Regenwasser war anscheinend besonders
lecker, denn dort hielt er sich etwas länger auf.

Irgendwann stand ihm dann wohl auch der Sinn nach
den verschiedenen Wassernäpfen an der Garage.
Seitdem er endlich den Wintergarten als Aufenthaltsort
angenommen hatte, hielt er sich dort kaum noch auf.
Schnell bekam er wieder eine Matte zwischen Gießkanne
und Eimer gelegt, die Behälter wurden mit frischem
Wasser gefüllt und ein kurzer Feuchtfutter-Snack war ihm
dann auch sehr willkommen. Allerdings mehr die cremige,
ungesunde Soße als die kleinen Fleischbröckchen.

Etwa 15 Minuten später lag er am Beetrand, an einer Stelle,
die er noch nie zuvor als Liegeplatz gewählt hatte. Viel-
leicht war es jedoch auch die Sonne, die ihn dorthin lockte.
Und als er bald darauf im Schatten lag, ...

zog er ein paar Meter weiter auf die noch sonnige Rasenfläche.

Einige Zeit war er scheinbar verschwunden, aber als ich ihn
unter dem Hortensienkübel am Haus entdeckte, kam er wenig
später wieder zum Vorschein. Zwischendurch nahm er gern
wieder einen kleinen Stärkungs-Snack und begab sich weiter
auf Wanderschaft.

Dann lag er noch etwas hinter dem Buchsbaum ...

und wenig später vor der kleinen Mauer unter der Weide.
Etwa 1 1/2 Stunden hatte er sich teilweise an ungewöhn-
lichen Plätzen im Garten aufgehalten und kehrte danach
ganz selbstverständlich in den Wintergarten zurück.

Da er auch nach diesem Spaziergang fast nur Fleischsaft
schlabberte und uns wirklich schwächer als in den Tagen
vor dem neuen Antibiotikum vorkam, telefonierte ich mit
seiner Tierärztin. Nach meiner Beschreibung waren wir uns
einig, dass es nicht sinnvoll wäre ihm diese Tabletten
weiter zu verabreichen. Meine Mutter atmete sichtlich auf,
denn er schien sich bei den drei Versuchen mit aller ihm noch
zur Verfügung stehenden Kraft gegen das Mittel zu wehren.

Doch bald nach dem Telefonat brach er nochmals auf, um sich
unter den Blumentöpfen neben dem Wintergarten zu verkriechen.
Dort blieb er jedoch nicht lange und lag plötzlich vollkommen
erschöpft auf der Seite im Rasen. Verängstigt und erleichtert
zugleich setzte ich mich nun neben ihn und streichelte ihn zeit-
weilig. Seine Augen sahen nicht trüb aus, aber etwas Nickhaut
war zu sehen. Die Atmung kam mir verlangsamt vor. Und ich
hatte die Hoffnung, dass sein Ende nun doch nahe sei. Wie er so
da lag, wollte ich ihn nicht hochheben und in den Wintergarten
zurücktragen. Mir kam es so vor, als ob ich dann einen Ablauf
stören würde. Ich weiß nicht mehr, wie lange er so im leicht
feuchten Gras lag, aber das kleine Stehaufmännchen hob irgend-
wann den Kopf und stand bald darauf wieder auf, um sich ein
neues Plätzchen im Garten zu suchen. Aber leider fing es bald
danach an zu regnen, so dass ich ihn in den Wintergarten zurück-
holte. Dort fraß er eine Kleinigkeit und kuschelte sich wieder
auf seine Liege ...

Fotos: S.Schneider



Kommentare:

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Alle
Das Katertier frisst, macht Gartenspaziergänge und schläft auf seiner Liege. Etwas nimmt sein Appetit je nach Futtersorte wohl ab, aber im Moment scheint er sein kleines Katerdasein noch nicht aufgeben zu wollen ...

Herz-und-Leben hat gesagt…

Erstaunlich!

wäre er ein Mensch, hätte ich ihn übrigens mit Phytotherapie behandelt, Tees zum Beispiel ... die den Organismus unterstützen, nicht jedoch zusätzlich schwächen.
Ob Katzen die schlürfen, weiß ich allerdings nicht, haben wir auch noch nie ausprobiert. Die Tiere auf der Weide fressen ja - je nach Befindlichkeit und wenn der Instinkt noch nicht brachliegt - die Kräuter, die ihnen jeweils wohltun ... ob man diese Katzen irgendwie unterjubeln kann, weiß ich bisher nicht.

Ich wünsch euch weiterhin alles Liebe ...
Sara

Kleine-creative-Welt hat gesagt…

er scheint allen Erfahrungen zum Trotz seinen eigenen kleinen Kopf oben zu behalten. Ich freue mich für ihn, wenn er offensichtlich genau weiß, was er will und sich seine Ration "Wohlfühlen" in Form von von ihm ausgesuchtem Essen, Liegeplätzen, Nähe und wiederum Alleinsein holt, so wie er es wünscht und braucht. Vielleicht machen wir Menschen (Kopftiere) uns einfach zu viele Gedanken - vielleicht weiß er allein, was für ihn gut ist und wann es so weit ist....
auch ich wünsche euch allen alles Liebe - Ruth

Alex aus dem Gwundergarten hat gesagt…

Man sieht ihm jetzt wirklich an, dass sein Pijama (Fell) für ihn zu gross geworden ist. Ich bewundere Deine Nerven. Ich glaube, jetzt hätte ich wohl den Tierarzt meines Vertrauens hergezerrt, damit er dem Katerchen im Garten beim Sterben hilft. Naja, meine Nerven sind eben nich so stabil...
Hach, Gottchen, warum darf er nicht einfach von Natur aus jetzt gehen. Irgendetwas scheint ihn immer noch zu halten.
Liebe Grüsse
Alex

Anonym hat gesagt…

Erstaunlich nur, wie er auf dem ersten Foto mit hocherhobenem Schwänzlein davonstakelt.
Das ist wirklich ein Kämpfer, der kleine Bursche. Tapfer, tapfer.
Es grüßt ganz lieb und denkt immer an Euch
graugrün

Suse hat gesagt…

Ach Silke,
ich wünsche dem Kater das das Wetter noch etwas mitspielt und er vielleicht in seinem geliebten Garten einschläft. Ein sehr inniger Moment den Du beschrieben hast ,als so dalag und Du nicht "stören" wolltest und ihn nicht hochgehoben hast.
Streichel ihn von mir.
Liebe Grüße Suse

Marlene hat gesagt…

Er ist echt ein kleiner Kampfkater.

Bis Freitag soll es ja ein wenig trocken bleiben und dann kann er etwas im Garten liegen und sich vielleicht von der Sonne kitzeln lassen.

Knuddel den kleinen Kerl einmal von uns

LG
Marlene

Glasperlenfee hat gesagt…

Ach Silke,
hab gerade erst die Einträge gelesen, die Du vom kleinen Katerchen geschrieben hast. Mir geht das ziemlich nahe, da wir Ähnliches mit unserem ersten Kater erlebt haben. Ich glaube, Tiere merken ganz genau, wenn wir wirklich bereit sind, sie gehen zu lassen, wobei ich denke, dass Euer ein ganz besonderer Kämpfer ist.
Alles Liebe
Glasperlenfee

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Sara
Das sind alles interessante Ansätze, aber wir lassen den Dingen jetzt ihren Lauf.
Die Salze und Globulis nimmt er immer noch. Und das Nachtkerzenöl, dass ich ursprünglich für Maus & Allegra besorgt hatte, gefällt ihm auch im Futter. Vielleicht hilft das eine oder andere und lindert eventuelle Schmerzen, aber mehr werden wir jetzt nicht mehr mit ihm herumexperimentieren. Wenn sich sein Zustand irgendwann merklich verschlechtert, werden wir ihm nochmals die Entscheidungstropfen von der Tierheilpraktikerin anbieten. Eventuell lässt sich dann der Prozess beschleunigen ...

@ Ruth
Er hatte schon immer seinen Dickkopf. Daher machte es leider im feuchten August auch keinen Sinn ihn gegen seinen Willen im Haus zu halten. Ich denke mir, er weiß selbst, was für ihn das Beste ist und zeigt uns das auch. So viel Kraft hat er immer noch. Und wenn er abends auch sehr gern auf seiner Liege im Wintergarten liegt und dort schläft, dann hat er trotzdem nichts dagegen wenn er wenig später in den Keller auf sein Nachtlager kommt.
Natürlich sieht er nach einem Spaziergang oder mittendrin erschöpft aus, aber nach einer Pause geht es halt weiter. Er teilt sich den Tag halt ein, so wie seine Kraft es zulässt. Und sein Appetit ist jetzt wieder erstaunlich. Sicherlich geht es dem Ende zu, aber irgendetwas scheint ihn noch anzutreiben.

Im Moment wäre es für mich unvorstellbar seine Tierärztin zu bitten ihn einzuschläfern. Denn jedes Mal, wenn wir in die Nähe des Wintergartens kommen, hebt er sofort den Kopf und schaut interessiert was los ist. Und die Freude ist besonders groß, wenn der Futterbringdienst kommt.
Ich vermute für die erste Spritze müsste man ihn auf seiner Liege sehr fest halten ...

@ Alex
Meine Nerven sind dabei nebensächlich. Viel mehr Kummer bereitet mir die Doppelbelastung meiner Mutter. Mit dem Verfall umzugehen ist ohnehin nicht leicht, aber nun sogar im Doppelpack und dazu der Pflegeaufwand ...
Andererseits ist es vieleicht sogar ganz hilfreich, dass der Kater im Garten auf sie wartet, da sie sonst snoch viel häufiger auf eventuelle Reaktionen meiner Großmutter achten würde und sich deswegen schon wieder mehr im Haus aufhalten würde.

Ich wünsche dem kleinen Kerl auch, dass er loslassen kann. Aber sollen wir deswegen den Service runterfahren, damit er sein Leben dann vielleicht aufgibt? Ich habe ihn gestern wieder fast 8 Stunden beobachten können. Schmerzen scheint er wenn nur selten zu haben. Meist ist er dann wohl einfach nur erschöpft. Jedenfalls kann er immer noch ganz entspannt auf seiner Liege schlafen und genießt es gestreichelt oder unter dem Kinn gekrault zu werden. Ist das dann wirklich schon ein Leben, von dem er gegen seinen Willen erlöst werden muss?

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Graugrün
Vielleicht waren es auch seine letzten Kräfte, die er da mobilisierte, da er glaubte, dass es mit ihm zu Ende geht. Was ihn am Freitag antrieb, werden wir wohl nie erfahren.

Allerdings machte mein erster Kater am letzten Tag auch noch eine Runde ums ganze Haus, während er sich an den Tagen zuvor eher hinten im Garten aufhielt.

Jetzt verhält er sich wieder gelassener ...

@ Suse
Genau das würde ich ihm auch wünschen. Oder dass er auf seiner Liege in Gesellschaft friedlich einschläft bzw. morgens auf seinem Kellerlager liegt. Aber im Moment scheint er von irgendwoher noch eine Portion Lebensenergie zu bekommen - vielleicht ist es das recht angenehme Herbstwetter ...

@ Marlene
Mir scheint genau das will er wohl noch mitnehmen. Vielleicht gibt er ja auf, wenn die Tage kälter und kürzer werden ...

@ Glasperlenfee
Natürlich schlagen da zwei Herzen in einer Brust. Einerseits ist es immer noch schön, wenn er dort auf der Liege liegt, aber ich würde ihn wirklich gern gehen lassen - meine Mutter ebenfalls. Ich vermute, sie hat sogar noch mehr Angst davor, dass er sich quälen könnte. Allerdings sehe ich bei ihm bis jetzt meist nur Erschöpfungszustände bzw., dass wenn er sich den kleinen Katerbauch zu schnell zu vollgehauen hat, der Magen wohl zeitweilig rebelliert. Wir werden seinen Zustand halt weiterhin aufmerksam beobachten ...

Christina hat gesagt…

Liebe Silke,
ich denke auch nicht, dass er sein Leben als nicht mehr lebenswert empfindet. Im Gegenteil, er genießt jeden einzelnen Tag nach seinen Möglichkeiten. Wenn er nicht mehr leben wollte, sähe sein Verhalten ganz anders aus.
Sicher ist es schwer, ihn bis ans Ende zu begleiten - aber ich würde es nicht anders machen als du und deine Mutter...

Liebe Grüße, Christina