Dienstag, 31. August 2010

Vielleicht war es ja ein großer Fehler ...


... meine Mutter gegen 9 Uhr zu bitten das Katertier in den Garten
zu lassen. Denn, während bei uns in Hannover der Regen der ver-
gangenen Nacht schon etwas abgetrocknet war, war der braun-
schweiger Schattengarten auch noch gegen 12 Uhr recht feucht.
Doch heute sollte ein wärmerer und regenfreier Tag sein, und da
ich nun doch vorhabe, ihn einem weiteren Tierarzt vorzustellen,
ist das vielleicht sein letzter Gartentag ...

Als ich ankam, war Herr Katze unauffindbar, obwohl er sich kurz
zuvor noch in der Nähe meiner Mutter aufhielt. Allerdings hatten
die Fliegen ihn schon so sehr attakiert, dass es unter den Büschen
vielleicht etwas fliegenärmer zuging. Ich entschied mich dann
lieber zuerst zur Fleischtheke zu gehen, damit er vielleicht beim
Rascheln der Tüte aus dem Beet hervorkommen würde.

Auf das Rausbringen des Geschirrs in den Wintergarten reagierte
er dieses Mal nicht, aber meine Mutter entdeckte ihn bald darauf
an einem neuen Liegeplatz in einem Sonnenflitz im Beet. Und
wenig später kam er zum Trinken zum Vorschein. Leider hatte
mich ausgerechnet heute die Fleischtheke total im Stich gelassen.
Und für einen unauffindbaren Kater wollte ich noch kein frisches
Hühnchen garen. Also gab es nur frisches Feuchtfutter mit einer
Salzmischung. Mir erschien er ungewöhnlich appetitlos. Aber das
lag vielleicht auch daran, dass sein Hinterteil total vom Urin durch-
feuchtet war, die Fliegen auf ihm herumkrabbelten und reichlich
Mulch im Fell klebte. Beim genaueren Hinschauen stellte ich fest,
dass die Fliegen bereits wieder Eier in seinem Fell gelegt hatten.

Also war er jetzt dran: Zuerst habe ich die Fliegeneier - bestimmt
8 Nester mit mindestens je 10 Eiern - mit einem Flohkamm entfernt
und dann wieder vorsichtig versucht ihn mit etwas Shampoo und
einem Waschlappen zu säubern. Aber heute entschieden wir uns
sein Hinterteil ganz in eine Wanne zu stellen. Denn inzwischen wird
sein Fell immer weniger und die verklebten Fellreste lassen sich
kaum noch säubern. Nach einigen Strampelübungen und kläglichem
Protestmaunzen gemischt mit etwas Knurren, ließ er sogar das
über sich ergehen.

Danach kam er in frische Handücher ...

und lag in der Sonne im Arm meiner Mutter.

Erschöpft schlief er dort sogar ein Weilchen.

Doch geschlossene Türen sind für ihn fast unerträglich, so dass
wir ihn bald darauf wieder in den Garten lassen mussten. Aber
zuvor bekam er noch ein Spot-on Mittel in den Nacken, das ihn
eventuell etwas vor den Fliegenangriffen schützt. Trotz dieser
Behandlung blieb er in der Nähe und nahm nun sogar anstatt
seinem
Wachholderbett die Inkontinenzmatte zwischen den
Wasserbehältern an.


Nur leider befinden sich alle Trinkgefäße im kühlen Schatten.

Daher holte ich nun die gelbe Partyglühlampe in den Garten. Denn
bei dem Telefonat mit der
Tierheilpraktikerin empfahl sie mir, ihm
zusätzlich gelbes Licht anzubieten. Leider waren es nur 40 statt der
60 Watt, die ihn nun von oben in seiner Garagenecke bestrahlten.

Unsere Maus liebt es ja sogar von 100 Watt Glühlampen auf ihrem
Kissen gewärmt zu werden
. Aber wie ich auf der Fahrt nach Braun-
schweig im Radio hörte, habe ich wieder einen sehr wichtigen
Termin verpasst: Denn heute ist der letzte Tag, an dem die 75 Watt
Glühlampe verkauft wurde. Unsere leistungsstarken Glühlampen-
Vorräte müssen wir nun wohl zukünftig für die Maus reservieren
und selbst mit weniger Lichtstärke vorlieb nehmen!


Ob es nun wirklich das gelbe Licht war, das ihn
dazu brachte sich von allen Seiten das Hinterteil
bestrahlen zu lassen, ...


oder ob es die wohlige Wärme war, die von
der Glühlampe ausging, vermag ich nicht zu
beurteilen. Auf jeden Fall blieb er dort liegen,
schlief noch einige Zeit ganz entspannt und ...

fraß unter dem Licht auch gern ein Schälchen
warmes Hähnchenfleisch mit dem Globuli-Mix.

Bald darauf wurde es im Garten so kalt, dass es Zeit wurde
ihn ins Haus zu bringen. Aber schon wieder war sein Fell feucht
und mit einigen Fliegeneier-Nestern bestückt. Wir kämmten und
wuschen ihn nochmals leicht im Wintergarten und und setzen ihn
anschließend noch etwas ans Wohnzimmerfenster. Die angebotene
Wärmflasche lehnte er ab. Aber vielleicht war sie ihm beim Nach-
bzw. Trockenputzen auch hinderlich. Kaum sauber, trocken und
nahezu geruchsfrei, war seine Matte am Fenster schon wieder
total durchfeuchtet. Und auf dem Weg zur Kellertür hinterließ er
auch noch 2 kleinere Pfützen.

Im Keller angekommen hatte er auf
seinem Krankenlager im
blauen Licht
erstaunlich guten Appetit. Legte sich etwas hin,
pendelte immer wieder zwischen Liegematte & Katzenklo
und nahm reichlich Feuchtfutter mit Salzmischungen zu sich.

Aber dieser Zustand ist meiner Mutter auf Dauer nicht zumutbar.
Schließlich gibt es auch noch meine pflegebedürftige 103-jährige
Großmutter im Haus, die sie allein versorgt. Und klein Katze kann
nicht überwiegend im Keller eingesperrt sein. Außerdem sind
binnen weniger Stunden sein Krankenlager, der Weg zum Wasser-
napf und zum Klo total mit Urin getränkt. Und im feuchten Fell
kleben die kleinen Catsan-Ultra-Streukügelchen - leider
akzeptiert er kein anderes Katzenstreu ...

Die Tierheilpraktikerin hat mir eine Tierärztin empfohlen,
zu der Klein Katze leider mindestens 20 Minuten Autofahrt
ertragen müsste. Ob ihm dort noch geholfen werden kann?

Fotos: S.Schneider



Kommentare:

Herz-und-Leben hat gesagt…

Alles nicht so einfach ... das arme Tierchen! Und Deine Mutter ist auch zu bedauern. Ich kenne das ja von meiner Tante, die von ihrer Tochter daheim betreut wurde bis auf die letzten 2 Jahrem wo es durch Knochenbrüche beim Umlagern leider nicht mehr anders als im Heim ging.
Naja und Deine häufigen km-langen Fahrten - das ist ja auch der reinste Stress.
Aber man gibt die Hoffnung nie auf ...

Liebe Grüße
Sara

Tatzelwurm hat gesagt…

Die Berichte aus der Krankenstation berühren tief.

Übrigens, etliche Heimwerkermärkte und auch Elektrogeschäfte haben noch Birnen gebunkert, es rentiert sich trotz Verbot dort nachzufragen.

Recht herzliche Durchhaltegrüße, Tatzelwurm

Petra hat gesagt…

Das mit den Fliegen ist ja wirklich schlimm.....Versuchen würde ich den neuen Tierarzt auf jeden Fall. Evtl. hat er ja doch eine Idee...

woman hat gesagt…

Ich bin mit meinen Gedanken immer bei Euch - sende weiterhin Reiki

♥lichst woman

Kleine-creative-Welt hat gesagt…

Liebe Silke,
auch mich berührt dein Bericht sehr - der kleine Kerl tut mir so unendlich leid - ich hoffe sehr, dass der neue Tierarzt ihm helfen kann - zumindest Linderung verschaffen - ich drück euch die Daumen und bin in Gedanken bei euch -
ganz liebe Grüße - Ruth

suse hat gesagt…

Liebe Silke,
ein alter Herr der eine Menge Arbeit macht.wie gut,das er so liebes und zuverlässiges "Personal" hat. Das würde auch nicht jeder für seine Katze tun. Ich wünsch Euch die Kraft ihn weiter zu begleiten.
Viele Grüße, Suse

Alex aus dem Gwundergarten hat gesagt…

Ach, Mensch, ich drück Euch so die Daumen. Armer kleiner Kerl. Es muss doch irgendwas geben, was ihm helfen kann. Ich hoffe sehr, dass die neue Tierärztin ein Wunder bewirkt. Muss für Euch auch ganz schlimm sein, das mitanzusehen. Kann so mit Dir fühlen, weil wir unsere geliebte Jazz im letzten Mai gehen lassen mussten. Für Euch hoffe ich aber, dass es einfach noch was gibt, was ihm hilft und Euch noch ein paar Jährchen mit ihm schenkt.
Es ist aber schön zu lesen, dass er so ein gutes Zuhause hat und Ihr Euch so toll um ihn kümmert... leider nicht selbstverständlich.
Liebe Grüsse
Alex

Marlene hat gesagt…

Dein Bericht berührt auch mich und gut, dass er so liebe fürsorgliche Dosis hat. Es muss bestimmt für euch auch nicht einfach sein.

Ich drück die Daumen, dass er bald etwas Linderung bekommt.
Für ihn ist das sicherlich auch nicht einfach, denn Katzen sind doch so reinlich und im Alter muss Mensch sie halt dabei unterstützen.

Der Hund von einer Bekannten, war im Alter auch sehr angeschlagen. Auch wie bei dir (in einem anderen Bericht vermutet) lag auch wohl eine Art Demenz vor. Beim Gassigehen blieb sie dann manchmal erschrocken stehen, schaut sich um und hat wohl die Orientierung verloren. Bei einigen Gängen war sie dann auch sehr überfordert und legte sich einfach hin (egal ob Stand oder Wasserpfütze)

Knuddel den kleinen Kerl bitte von uns und Felix sendet ihm Nasenstumper

Marlene

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Sara
Genau, obwohl es jetzt sehr aussichtslos erscheint, ist es eine merkwürdige Mischung aus der Hoffnung, dass er doch noch OP-fähig wird, und dem Wunsch, dass er vor Freitag-Nachmittag in seinem Zuhause stirbt ...

Die Fahrerei geht im Moment, denn mittags sind die Straßen recht frei und abends in der Dunkelheit ist die A2 seit Jahren meine vertraute Rennstrecke. Aber ich habe Hochachtung vor denen, die jeden Tag wegen ihres Jobs zwischen BS und H pendeln. Eine Freundin hat das mal einige Zeit gemacht, als sie in einer Werbeagentur in BS gearbeitet hat. Den Job und die Strecke würde ich mir jetzt nicht mehr zutrauen!

@ Tatzelwurm
Diesen Tag und die Möglichkeit habe ich nun auch versäumt, um unsereKatzen und uns noch mit dem angenehm wärmenden Licht der Glühlampen zu versorgen. Na ja, irgendwann bekommt Maus dann eine Rotlichtlampe oder den Heizstrahler - tolle Energiesparmaßnahme! Denn diese Wärmequelle braucht die Maus nur, solange wir nicht die Heizung anhaben ...

Ich glaube der Kater hätte mehr Durchhaltevermögen als ihm seine neue Tierärztin zugesteht und ich weiß nicht was für ihn der bessere Weg ist!

@ Petra
Die neue Tierärztin war auf jeden Fall eine gute Entscheidung. Allerdings wenn jetzt Wetter und Fliegen ihm nicht so schaden würden, dann wäre es wohl das Beste ihn in den Garten ziehen zu lassen und ihm die Möglichkeit zu geben ins Haus zu kommen...

@ woman
Leider bleibt ihm wohl nicht mehr viel Zeit für sein Tempo ...

@ Ruth
Nach den ganzen Erfahrungen, die ich nun mit verschiedenen Tierärzten sammeln konnte, rate ich Dir nun trotzdem nochmal genau zu beobachten, ob Rei nicht doch irgendeine krankheit mit sich rumschleppt. Denn bei unserem Kater wurden ja wohl leider sein Befinden, bzw. seine gesundheitlichen Probleme falsch eingeschätzt ...

@ Suse
Je näher der Tag X rückt, umso leichter fallen in gewisser Weise die Arbeiten. Nicht, weil es bald vorbei ist, sondern weil einfach klar ist, dass man bald nichts mehr für ihn zun kann ...

@ Alex
Für meine Mutter ist es schlimmer es mitanzusehen. Denn ich entziehe mich dem ja ein paar Stunden oder Tage. Allerdings würde ich ihn jetzt viel lieber hier bei mir haben. Aber darunter müssten dann alle 3 Katzen leiden, und er am Allermeisten, da man einen so alten kranken Baum nicht mehr verpflanzen sollte. Dafür hat er leider im Laufe der Jahre die Beziehung zu mir verloren und liebt seinen Garten zu sehr.

@ Marlene
Unter der Unsauberkeit leidet er inzwischen so sehr, dass er seit Dienstag auffällig viel Fell an den Hinterläufen und am Po verliert. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass er sich nicht mehr um seine Fellpflege kümmert. Nur leider ist es mit zu vielen Gefahren (Kratzen & kraftvoll Zubeißen) verbunden, dass meine Mutter ihn allein wäscht. Und alle 2 Tage ist jetzt zu wenig - besser wäre 3x am Tag. Aber sein Hauptproblem ist ja die zu enge Penisöffnung, die nun wohl leider dazu führt, dass er nach und nach vergiftet. Wahrscheinlich hatte es gar nichts mit Altersdemenz zu tun ...

Herz-und-Leben hat gesagt…

@ Silke
Naja, man hofft immer - bis zuletzt ... zum Glück ist das wohl so. Und doch wünscht man, wenn jemand, ob Mensch oder Tier, sehr leiden muß, daß es dann doch recht bald möglichst kurz und schmerzlos schnell zuende geht. Dieser Zwiespalt ... ich weiß es noch von meiner Großmutter. Aber sie empfand ich als alt ;-) (wenn ich heute auch ganz anders drüber denke) Bei meinem Vater war es ganz anders, er war ja noch nicht sooo alt, als er sterben mußte. Und er wollte auch nicht und dachte auch nicht, daß es nun schon soweit sei - da habe ich es mir überhaupt nicht gewünscht, nicht mal angesichts seines schrecklichen Leides! Nur immer gehofft, daß es noch irgendeine Rettung gibt .....

Puhh, das könnte ich nicht - schon der Gedanke an die A2 oder überhaupt eine Autobahn läßt mich grausen, egal ob viel oder wenig Verkehr (schließlich weiß man es vorher ja nie so genau, bevor man drauffährt ...) Was das betrifft, habe ich extrem wenig Vertrauen in meine Mitmenschen ;-) Besonders bei den Auffahrten oder diese Raser und die, die extrem dicht auffahren - seltsam solch "anhängliche" Zeitgenossen ;-)In der Stadt und auf Landstraßen dagegen fühle ich mich relativ sicher, obwohl es da wirklich sicher auch nicht ist ;-) Vielleicht, weil man sich da nicht so eingesperrt fühlt, wenn mal was wäre ... Ich fahr allerdings auch gern schnell ("Rennstrecke) :-) aber nur da, wo das möglich ist ...

Tja, solche Jobs hätte ich schon früher nicht annehmen können oder wollen - dieses lange auf der Autobahn liegen. Ich fahr dann immer mit dem Zug. Aber Zeit kostet das auch ... Und alles was mehr als 1 Stunde pro Strecke kostet, geht doch von der Lebensqualität sehr ab, finde ich.
Ich seh's aber auch an den häufigen Fahrten mit und für meine Mutter. Da ist man Stunden des Tages beschäftigt und ein Weg dauert über die Dörfer auch schon ganz schön lang.

Liebe Grüße
Sara