Samstag, 28. August 2010

gestern & heute ...


...durfte das Katertier zwischen den Regenschauern
kurz in den Garten. Während er gestern noch so
schwach war, dass er sich recht schnell wieder
ins Haus tragen ließ, war er heute vor diesem Foto
bereits 1 Stunde im Garten:

Die Garten-Feuchtigkeit wird seinen Harnwegen sicherlich
wieder schaden, aber für sein seelisches Wohlbefinden ist
es die beste Medizin. Außerdem schmeckt es draußen viel
besser, denn auch dieses Schälchen war gut mit Feuchtfutter
und warmem Wasser gefüllt. Trotzdem trank er danach noch
reichlich frisches Wasser aus seinem Eimer und der Gießkanne.

Leider kam ich nicht rechtzeitig dazu ihm auch für sein
Hinterteil eine neue Wachholderauflage von den Immer-
grünen zu schneiden. Dafür lag er zu schnell wieder auf
seinem Lieblingsplatz. Die Zweige im Garten waren aber
zum Glück durch den Wind so gut getrocknet, dass eine
neue grüne Lage unter dem Bauch ihn im Garagenbeet
etwas vor der Nässe schützen konnte.


So liegt er auf jeden Fall glücklicher und besser, als im blauen
Licht des Kellers. Denn auch die Tierheilpraktikerin und seine
Tierärztinnen sind der Meinung, dass sich Tageslicht und die
grüne vertraute Umgebung positiver auf sein Wohlbefinden
auswirken, als wenn er zum Schutz gegen seinen Willen im Haus
eingesperrt wird.


Außerdem ist es für sein empfindliches Näschen auch ganz wohltuend,
wenn er nicht ständig seinen eigenen Uringeruch um sich hat. Seine
drei Katzenklos versucht er häufiger aufzusuchen, erreicht sie
aber oftmals nicht rechtzeitig, und für die geringen Tropfmengen
reichen sie nicht aus. Denn 1x benutzt und verschmutzt, mag er sie
nicht mehr betreten. Und auf der Seite liegend scheint er überhaupt
keine Kontrolle mehr über seine Blase zu haben. Daher sind seine
Auflagen innerhalb weniger Stunden komplett feucht. Es ist schade,
dass das Wetter es zur Zeit überhaupt nicht gut mit ihm meint ...

Aber wenigstens konnte in der Zeit seines Gartenaufenthaltes der
Keller gut durchlüften, und endlich mal wieder die Waschmaschine
und der Trockner laufen, denn die Geräusche diese beiden Geräte
mag er überhaupt nicht.

Wenn er da so friedlich liegt, teilweise in den Garten schaut und
immer noch sehr gerne frisst, dann ist es schwer vorstellbar, dass er
ganz schön wackelig auf den Beinen ist, und selbst an regnerischen
Tagen sein ganzes Hinterteil die Fliegen magisch anzieht. Als dann
schon wieder eine dicke dunkle Regenwolke von Westen am Himmel
erschien, entschieden wir uns, dass es jetzt Zeit für den Kater-
Waschtag wäre. Ein klein wenig durfte er noch geschützt unter dem
immergrünen Geißblatt im Regen bleiben, aber dann wollte ich ihn
vorsichtig hinter den Vorderpfoten hochnehmen und ins Haus tragen.
Fehlanzeige: Ich musste ihn laut anschreien, damit sich seine Zähne
wieder aus meiner Hand lösten. Die nächste Zeit verbrachten wir dann
erst einmal damit die 5 Bisse bzw. Abdrücke seiner Zähne in meiner
rechten Hand zu reinigen und zu desinfizieren. Wahrscheinlich hatte
er einfach Angst, dass es wieder zum Tierarzt gehen könnte. Denn,
dass ich etwas mit ihm vorhatte, das spürte er sicherlich!

Also wieder mit den dicken rot-gelben Lederhandschuhen ausgestattet
zurück in den Garten und den Kater gepackt. So ganz wohl war mir bei
der Waschung nicht, denn schließlich hätte er meine Mutter, die ihn
nur in diversen Handtüchern festhielt, auch jederzeit beißen können.
Aber es ging gut aus. Allerdings fühlte ich mich einen Moment lang an
Filme mit zu wickelnden Babys erinnert, als ein ganz kleiner feiner
warmer Strahl durch mein Gesicht zog, obwohl ich recht weit vom
Hinterteil des Katertiers entfernt war. Bald darauf in ein trockenes
Handtuch gewickelt, genoss er es noch ein Weilchen wie ein Baby
im Arm meiner Mutter geschaukelt zu werden.


Danach durfte er wieder ins Wohnzimmer auf den eigens für ihn
auslegten Teppichrest vor dem Gartenfenster. Von der Wäsche
seines Hinterteils war er sogar so erschöpft, dass er einige Zeit
an der Wärmflasche liegen blieb. Leider meidet er ansonsten
noch immer die Wärme ...


Aber, als er sich etwas erholt hatte, wurde nachgeputzt.
Selbst am Donnerstag konnten wir beobachten, dass er sich
wieder etwas mehr mit seiner Fellpflege beschäftigt.


Und am Kopf ist sein Fell noch erstaunlich weich und gar
nicht struppig, so wie man es von einem alten geschwächten
Tier erwarten würde. Wenn er nicht dieses Harnwegsproblem
hätte, dann könnte man zeitweilig glauben, er sei auf dem
Wege der Besserung ...

Nach einiger Zeit begab er sich auf den Weg zum Keller, wurde
hinuntergebracht, und legte sich dort erschöpft vom Tag auf
sein frisch ausgelegtes Krankenlager. Doch wenig später erschien
er plötzlich im Flur. Er hatte es irgendwie geschafft allein die
Kellertreppe hinaufzuklettern. So viel Kampfgeist wurde dann nach
einer Verschnaufpause noch mit einem kleinen Gartenspaziergang
belohnt. Allerdings nur gut eingewickelt und mit Blick von oben in
seine Beete. Danach schlief er bis zum späten Abend recht friedlich
auf seiner Matte im Wohnzimmer, bis er sein Köpfchen hob, und
ich ihn zurück in den Keller brachte.

Nach diesem Tag haben wir ihm das Wasserschälchen mit den
Bachblüten, die ihm das Sterben erleichtern sollen, nun vorerst
weggenommen. Und stattdessen seine Schüßler-Salze um ein
weiteres Salz gegen die Blasenentzündung erweitert. Aber auch
die Salze gegen Diabetes behalten wir bei. Denn die Salz-Kombi-
nationen schlabbert er noch immer sehr gern vom Feuchtfutter.
Auch die 2 verschiedenen Globulis, die die Tierheilpraktikerin
empfahl, verschwinden anstandlos in etwas Wasser aufgelöst und
oben auf das Feuchfutter geträufelt im Katermäulchen. Morgen
bekommt er seine letzte Antibiotika-Tablette, die aber leider
wohl kaum zur Verbesserung seiner Harnwegsprobleme beige-
tragen hat. Sollte sich sein Zustand jetzt nicht wieder ehrheblich
verschlechtern, werde ich ihn wohl in der nächsten Woche doch
noch einem anderen Tierarzt vorstellen. Auch wenn ihm dann
wieder viel Stress, neue Blutuntersuchungen und Ultraschall bzw.
Röntgen bevorstehen werden ...

Fotos: S.Schneider


Kommentare:

Herz-und-Leben hat gesagt…

Wirklich erstaunlich! Welche Lebensenergie ...

Lieber Gruß und alles Gute
Sara

Petra hat gesagt…

Das ist doch ein gutes Zeichen, wenn er wieder etwas Fellpflege macht....er sieht so nett aus wie er da auf seinem Gartenbettchen liegt...

Die LuLs und Danny hat gesagt…

Wahnsinn, was das Katerchen für einen Lebenswillen hat. Er ist so süß. Ich drücke weiter die Daumen, dass er nicht leidet. Eure Pflege tut ihm sichtlich gut.
LG
Danny mit Lucy

renate hat gesagt…

Ach .... so traurig, so berührend und doch so schön, weil so überaus liebevoll. Mir fehlen die Worte, liebe Silke.
Danke für diese Hingabe. Wie schön, dass das Katertierchen soviel Liebe erleben darf.
Danke für deine Berichte und die Fotos.
Ganz herzlich - Renate

Gartenfee hat gesagt…

Liebe Silke,
ich finde es bewundernswert wie fürsorglich Ihr Euch um das alte, kranke Katertier kümmert. Ich hoffe, dass er im September/Oktober noch ein paar schöne sonnige Tage in "seinem" Garten erleben darf.

Hat er eigentlich auch eine Schilddrüsenüberfunktion? Soweit ich mich erinnere suchen Katzen in diesem Fall kühle Plätze auf.

Liebe Grüße von Bärbel

carola hat gesagt…

Hallo Silke,
wenn wirklich ein neues blutbild vonnöten sein sollte - warum eigentlich ? - es ist doch egal, jetzt . . . nimm doch einfach das letzte zu dem neuen arzt mit.
er muß es dir aushändigen.

u.U. ist er dehydriert und es kommt gar nicht mehr genug blut - habe ich damals bei Purzelkatze so erlebt. - und ich habe im nachhinein die TÄin nicht so ganz verstanden was das hätte ändern oder helfen sollen . . .
habe ich ihr aber auch so gesagt.

ich wünsche euch weiterhin die kraft es ihm ein wenig zu erleichtern.

ach es ist so traurig zusehen zu müssen . . . aber was soll man denn machen, wenn der lebenswille noch da ist . . .

liebe und traurige grüße
carola

Renate hat gesagt…

Einfach nur ein kleiner Dienstagsgruß und einen lieben Nasenstüber fürs Katerchen - von Renate

Brigitte hat gesagt…

Bereits am heutigen Morgen war ich hier und begann zu lesen, was ich wegen eines Termins dann unterbrechen musste. Nun habe ich alles fertig gelesen und denke mir, dass das Katerchen eben einen besonderen Glücksfall erlebt. Denn es bedarf großer Ausdauer, Geduld und auch Tierliebe, ihm sein Leben auf diese Weise so angenehm wie eben möglich zu gestalten.

Sehr anrührend finde ich es, wie ihr, du und deine Mutter, euch um den alten, kranken Freund bemüht.

Lieben Gruss, Brigitte

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Bärbel
Schilddrüse wurde bereits zusammen mit dem Fructosaminwert getestet und ist ohne Befund.

@ Alle
Auf die Kommentare gehe ich später noch ein.
Nun versuche ich ersteinmal mit der Tierärtzin Kontakt aufzunehmen, da sie gestern Nachmittag keine Sprechstunde hatte ...

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Sara
Ja, dieser Lebenswille erstaunt mich auch immer mehr. Denn bei der Sammlung an Krankheiten und Werten dürfte er eigentlich nicht mehr fressen und müsste schon recht apathisch sein.
Aber meine Großmutter hat uns ja auch schon häufiger verwundert, woher sie die Energie zum Weiterleben nimmt ...

@ Petra
Das mit der Fellpflege verstehe ich auch nicht mehr. Teilweise war er gestern sogar sorgfältiger als die Tage zuvor. Da hielt er mit erhobenen Hinterlauf inne und musste sich zwischendurch sogar ausruhen. Das Verhalten passt überhaupt nichtmit seinen Blutwerten zusammen.

@ Danny
Wenn ich mir sicher wäre, dass er nicht leidet, dann würden wir ihn einfach gern in seinem Zuhause sterben lassen. Aber ich vermute, mir wird morgen die Tierärztin ins Gewissen reden ...

@ Renate
Ich weiß nicht, wie ich im nächsten Jahr darüber denken werde. Aber auch ohne Ruhm, Ehre und Verdienstmöglichkeit bin ich zur Zeit auch der Meinung, dass wir das Projekt im Hinterkopf behalten sollten! Auch wenn das Thema fürchterlich traurig ist und bestimmt dann wieder einiges aufwühlt ...
Aber viel wichtiger würde ich es finden, wenn es ein Buch gäbe 'Katzensymptome und mögliche Krankheiten'. Das Büchlein, das wir besitzen ist leider viel zu oberflächlich und schreibt fast an jeder Stelle 'Binnen 24 Stunden zum Arzt!'. Das ist mir zu extrem. Aber so ein Nachschlagewerk könnte vielleicht frühzeitig auf mögliche Gesundheitsprobleme hinweisen. Zumindest bei Allegra hätten wir dann wahrscheinlich schon viel früher ihre Diabetes erkannt.

@ Bärbel
Hoffentlich hatte er heute noch etwas von seinem Garten, denn das Wetter war zumindest bei uns gemischt. Morgen soll ja laut Wetterbericht noch ein schöner Tag kommen!
Aber ich vermute den Oktober wird er wohl nicht mehr erleben. Und unter diesen Umstänen wünsche ich es mir auch nicht mehr für ihn.
Auf meine Bemerkung, dass der Kater überwiegend kühle Orte aufsucht, sind die Tierärztinnen leider auch nie eingegangen. Vielleicht ist Saras Idee mit dem Bluthochdruck ja gar nicht so abwägig. Aber daswerden wir nun wohl nicht mehr feststellen. Davon wird jetzt wohl nur Allegra beim nächsten Tierarztbesuch profitieren ...

@ Carola
Blut kam fast problemlos, und er ließ es sich auch erstaunlich gut abnehmen. Noch erstaunlicher fand ich, was er sonst noch mit sich machen ließ. Aber vielleicht hatte er in dem Moment auch nur resigniert.
Die alten Daten sind jetzt nutzlos, denn seitdem hat sich so viel bei ihm verändert, da sind in seinem Fall die tagesaktuellen Werte eine bessere Entscheidungsgrundlage. Ich denke mir, wenn es ihm nicht auffallend schlechter geht, muss er dann morgn nochmals Blut hergeben, um die richtige Entscheidung für ihn zu fällen ...

Ja, sein bewundernswerter Lebenswille bzw. die Sehnsucht nach seinem Garten, macht es mir besonders schwer für ihn entscheiden zu müssen.

@ Danny
Ganz erstaunlich ist, dass er immer mehr unsere Nähe sucht.Laut seiner neuen Tierärztin verkriechen bzw. verstecken sich sterbende Tiere immer mehr. Aber da gibt es bestimmt auch ganz unterschiedliche Katzenpersönlichkeiten - wie bei Menschen eben auch ...

@ Brigitte
Und je näher der Moment rückt, wo wir nichts mehr für ihn tun können, wird jede Handlung kostbarer ...

Herz-und-Leben hat gesagt…

Oder sind die männlichen da nur robuster? Ich hab' keine Ahnung - meine Mutter hatte immer nur Kätzinnen ;-) Wovon die weißen schwächlicher sind, aber die dunkel-getigerten Hauskatzen robuster.
Das mit der Anfälligkeit weißer bestätigten auch Tierärzte.

Lieber Gruß
Sara