Dienstag, 27. Juli 2010

Ich habe noch Hunger!



Das Katertier lag einige Zeit an seinem neuen Lieblingsplatz
unter dem Ilex in der Nähe des Wintergartens. Aber als er
mich mit der Kamera sah, kam er hervor.

Noch fürchterlich müde, aber ...

in der Hoffnung auf irgendetwas leckeres trottete er
auf den Rasen. Also schnell etwas Feuchtfutter geholt,
und dann gab es wenig später noch ein neues Futter-
schälchen. Es dauerte nicht lange, da saß Herr Katze
wieder erwartungsvoll auf dem Rasen um die restlichen
2 der 4 frisch gekauften Scheiben Roastbeef-Aufschnitt
im Garten zu verspeisen.

Die Natur ist unberechenbar: Von meiner Mutter hörte ich
am Telefon, dass sich der Kater in den letzten Tagen immer
mehr zurückzog und eine Nacht sogar nicht nach Hause kam.
Trotz des feuchten Wetters zog er es auch tagsüber vor im
Garten zu bleiben. Im Vergleich zu den letzten Wochen kam
er nur noch selten, um Futter zu fordern. Und schleckte

dann auch nur noch etwas Soße vom Feuchtfutter. Doch als
ich heute Mittag ankam, fraß er gerade wieder etwas mehr.
Und nach dem Einkauf kam er wie üblich erwartungsvoll in den
Wintergarten, um dort 2 Scheiben Roastbeef
häppchenweise
ins Mäulchen
zu bekommen. Danach gefiel er mir jedoch gar
nicht mehr: Er sinnierte vor den verschiedenen
Wassergefäßen
an der Garage, setzte sich matt auf den Rasen, verschwand dann
irgendwo in den Beeten, saß wenig später
vor dem Gartentor
und überlegte wohl, ob er einen kurzen Spaziergang auf den
Hof
machen sollte. Als ich ihn hochnehmen wollte, schrie er
entsetzt und laut auf. Das war für mich der ausschlaggebende
Moment nun doch endlich die Globulis in der Apotheke zu be-
stellen, die ihm die letzten Tage oder Stunden hoffentlich er-
leichtern
können. Bald darauf ließ er sich mit ein wenig Protest
auf den Schoß setzen und sogar streicheln. Spätestens seit er
kastriert wurde - also etwa mit 9 Monaten war er nicht mehr
bereit auf meinem Schoß zu sitzen. Doch nun war es plötzlich
wieder in Ordnung. Er schien es sogar zu genießen gestreichelt
zu werden - etwa 3 oder 4 Minuten lang. Danach machte er

Anstalten hinunterzuspringen. Ich setze ihn wieder auf den Rasen
und er verschwand in seinen Beeten. Es schien mir wirklich an
der Zeit zu sein ihm am Abend, nachdem ich meine Bestellung
in der Apotheke abholen konnte, die aufgelösten Globulis mit
etwas Soße zu geben ...

Doch, als ich ihn dann unter dem Ilex entdeckte, und er relativ
schnell und zielstrebig hervorkam, um Futter zu fordern, dann
noch einmal, bald darauf die 2 restlichen Scheiben Roastbeef
fraß und wenig später nochmals eine andere Feuchtfuttersorte
mit etwas Soße genüsslich verspeiste, da verschob ich mein
Vorhaben. Denn innerhalb von 7 Stunden verschwanden in dem
Magerkater 100g Feuchtfutter mit viel zugesetzter Flüssigkeit
und etwa 70g Roastbeef. Nun stehen die Globulis und auch die
Rescue-Tropfen bereit, aber vielleicht möchte er ja doch noch
etwas länger in seinem Garten bleiben ...

Fotos: S.Schneider


Kommentare:

Petra hat gesagt…

Hoffentlich geht es doch noch eine Weile gut mit dem Kater...meine Hundedame, die ich in Kindheitstagen hatte zog sich als sie krank war auch im Garten zurück.....sie war aber schon sehr alt - fast 14 Jahre...

Doro hat gesagt…

....der braucht seine Ruhe und sein Tempo...das liebe ich so an Katzentieren,dass sie gut für sich selber sorgen...und er hat sehr gut für sich gesorgt,indem er bei Euch im Garten seine (letzten) Tage verbringt,er spürt,dass er Hilfe bekommt,wenn er sie nötig hat und das lässt ihn ganz relaxed unterm Ilex liegen... Alles Gute! Doro

suse hat gesagt…

Ich mag ihn sehr, das Katerchen. Manchmal sind sie im Alter auch etwas verschusselt.Aber das macht sie noch liebenswerter. Alles Gute Katerchen

Brigitte hat gesagt…

Sie sind nicht beeinflussbar und haben ihren eigenen Willen. Den es gilt zu respektieren. Er hat es sich wohl so eingerichtet. Natürlich muss man auch ein Auge darauf haben, wieviel er aufnimmt.

Mach dir nicht zu viele Sorgen, ich glaube schon, dass die Doro recht hat. Er wird kommen, wenn er Hilfe braucht und ansonsten ist er mit sich selbst im Reinen.

Liebe Grüße, Brigitte

Micha hat gesagt…

Ach je, der arme kleine Kater. Ich denke er weiß genau das Ihr nur sein Bestes wollt. Schön das es sich den Garten ausgesucht hat. Ich hoffe er hat noch einen schönen Sommer und wenn es zeit ist zu gehen wird er es Euch zeigen.
LG Micha

Herz-und-Leben hat gesagt…

Liest sich ja richtig spannend!
Ja, Katzen sind sehr eigen - aber ich denke auch, daß er sich dann schon bemerkbar machen wird. Das taten die beiden verstorbenen meiner Mutter auch, wobei die zuletzt Verstorbene damit schon noch ein wenig anders umging. Sie zog sich - eigentlich - auch eher zurück. Und das beobachtet man ja auch in der freien Natur, daß die Tiere sich da in Gebüsche o.ä. zurückziehen in ihren letzten Stunden.

Ich hoffe aber, daß es doch noch nicht so weit ist und er noch angenehme Tage verbringen kann. Bei dem Futter hätte ich auch ein wenig Sorge. Hauskatzen sind ja doch nicht mehr ganz natürlich und der Instinkt nicht mehr der freilebender Tiere. Wir haben das auch schon beobachtet, daß sie manchmal ein Zuviel des Guten zu sich nehmen und hinterher alles wieder herauskommt. Im hohen Alter - ob bei Mensch oder Tier - reduziert sich die Aufnahme von Nahrung ja sehr und dann muß die Verwertung der Nahrung ja auch stimmen...

Alles Liebe
Sara

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Alle
Nachdem meine Mutter nun am Dienstag Abend bei ihm Blut im Urin festgestellt hatte, was auf eine Blasenentzündung schließen ließ, stellte sich beim Tierarzt heraus, dass sein Penisgewebe wahrscheinlich durch die Diabetes abstirbt. Dort an der Spitze kommt es zu heftigen Blutungen. Der Urin ist jedoch klar. Er hielt ohne Betäubung tapfer durch und durfte mit Schmerzmittel und Antibiotikum versorgt wieder nach Hause. Für eine weitere Antibiotika-Spritze wurde ein Termin am Montag festgelegt. Und für die nächsten Tage gibt es 1x täglich ein Schmerzmittel.
Im Garten fraß er danach wieder voll Freude und war abends auch bereit mit ins Haus zu kommen.
Doch dort hatte er anscheinend wieder verkrustetes Blut am Penis und konnte nur wenige Tröpfchen im Klo herauspressen. Danach setzt anscheinend die Blutung wieder ein. Jedenfalls benutzt er nun verständlicherweise nicht mehr seine Kiste, da er den Ort mit Schmerzen verbindet. Er hinterlässt im ganzen Haus Urintröpfchen vermengt mit großen und kleinen Blutstropfen.
Eine Penisamputation ist jedoch ein so ein großer Eingriff, dass die Tierärtzin gestern davon abriet. Dann wäre es besser ihn zu erlösen. Eventuell könnte ihm nun ein Katheter Linderung verschaffen, aber dafür müsste er in der Praxis bleiben. Allein in einer fremden Umgebung, um am Ende doch nur die 'erlösende' Spritze zu erhalten?
Da er immer noch frisst und trinkt, durfte er nun heute früh wieder in den Garten. Mal schauen, was der Tag bringt. Mittags bekommt er sein Schmerzmittel und wenn es zu arg wird, dann werde ich wohl am Nachmittag nochmals mit ihm zum Tierarzt fahren ..
Da er im Haus nun alles 'unter Wasser setzt' hatte er in der letzten Nacht weniger Räume zur Verfügung, wo das Wischen kaum Probleme bereitet. Aber er verkroch sich wohl die meiste Zeit sowieso in die letzte Ecke auf den kalten Fliesenboden, obwohl er reichlich kuschelige Schalfplätze hat.
Daher soll er lieber die nächste Nacht in seinem Garten & im Wintergarten verbringen. Wir haben noch alte Gartenstuhlauflagen, die, sollten sie beschmutzt werden, dann endlich weggeworfen werden ...
Hoffentlich legt sich dann nicht in der Nacht einer der kleinen Jungspunde, die auch gerne on Tour sind mit ihm an. Aber das ist dann eben auch Natur ...

Brigitte hat gesagt…

Das ist ja bedrückend! Der arme Kleine. Wenn es schlimmer wird, wäre es besser ihn zu erlösen, wie du es schon sagst.

Lieben Gruss, Brigitte

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Brigitte
Ich bin mit ziemlich gemischten Gefühlen heute losgefahren. Aber solange er noch Freude am Fressen hat und immer mal wieder vorbeikommt um zu trinken oder sich sogar ein paar Streicheleinheiten abzuholen, finde ich es noch zu früh.
Und auch wenn meine Mutter von der letzten Nacht ziemlich genervt und erschöpft war, da sie häufiger hinter ihm herwischte und die Klos saubermachte, fiel es ihr heute am Abend wahnsinnig schwer ihn draußen zu lassen. Wenn er rein möchte, dann ist er jetzt wohl auch wieder im Haus, aber in der jetztigen Situation geht es ihm im großen Katzenklo = Garten wohl wirklich besser. Zumal er in den letzten Tagen kaum noch im Bett schlafen wollte ...

Cecie hat gesagt…

ich musste zweimal entscheiden, ob und wann ich die entscheidung treffe. sie ist das allerallerschwerste und doch der letzte liebesdienst, den wir tun können und müssen.

ich bin froh, dass es menschen wie dich/euch gibt, die so für ihre tiere sorgen. ich drücke euch, wünsche euch viel kraft - krault den herren doch mal hinter den öhrchen von mir, bitte (er ist so unglaublich hübsch - ich wünschte, wir hätten ihn schon früher kennenlernen dürfen!)

herzlichst, Cecie

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Cecie
Ich bin mir ziemlich sicher, dass er den Sommer nicht überleben wird - auf jeden Fall wünsche ich es mir für ihn... Aber solange er noch fressen mag, freudig dabei schnurrt und das, was oben rein geht unten auch noch einigermaßen gut wieder raus kommt, denke ich, dass es nicht meine/unsere Aufgabe ist über Leben und Tod zu entscheiden. Ich denke mir, er wird uns schon zeigen, wann er nicht mehr mag.

Die Nacht im Garten war wohl sehr ungewohnt für ihn. Um 4 Uhr morgens wartete er schon unter der Eibe am Haus und kam sofort in die Küche, um sich den Bauch vollzuschlagen. Den Nachschlag gab es dann im Garten im neuen 'Futterhaus'. Eigentlich wollte ich heute nochmals hinfahren, damit wir ihn noch etwas waschen und ihm gemeinsam am Mittag das Schmerzmittel geben. Aber zur Zeit scheint es nicht nötig zu sein. Also bleibe ich in Bereitschaft, da unsere beiden Katzen inzwischen auch darunter leiden, wenn permanent weniger Leute für sie Zeit haben ...

Nicht nur von den beiden grauen Mädels möchte ich hier noch mehr Kinderbilder haben. Auch von Klein Katze gibt es zwei Fotoalben, von denen mir hier einige Bilder fehlen. Aber wie es aussieht, werden die wohl erst nach seinem Leidensweg hier auf dem Blog erscheinen ...

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Cecie
Als ich angeregt durch Deinen Blog das Label 'krankes Kätzchen' eingeführt habe, hatte ich nicht im Entferntesten erwartet, dass sich hier so schnell so viele Post zu dem Thema versammeln würden.
Eigentlich sollte es mir nur als Gedächnisstütze dienen, wann die Maus zum Beispiel mit einer Bindehautentzündung zu kämpfen hat, damit ich eventuell irgendwann Gründe für die Entstehung herausfinden könnte.

Denn von unserem ersten Kater waren wir in Bezug auf Krankheiten sehr verwöhnt. Er musste nach der Kastration nur noch 1x zum Tierarzt, da er einen vereiterten Zahn hatte. Und auch als er älter wurde, magerte er zwar mit seinen 19 Jahren immer mehr ab, aber fraß noch ziemlich lange. Nur trank er in den letzten Wochen vermehrt. Aber nach einem letzten Tag, den er fast nur auf dem Sofa verbrachte, verstarb er nachts dann einfach im Keller.

Da haben wir mit Klein Katze und seinen Struvitsteinen schon viel früher viel mehr erlebt ...

Und das abenteuerlustige Mauseleben lehrte uns schon recht früh, dass es sehr gut ist, dass es für Sonntage Tier-Notärzte gibt. Für unseren kleinen Unglücksraben schlossen wir dann zeitweilig sogar eine Tierversicherung ab. Aber im entscheidenden Moment, wäre warscheinlich genau der Fall gerade nicht mitversichert oder die Rechnung hätte die Jahres-Versicherungssumme überschritten. Da haben wir uns dann doch lieber für eine private Notfall-Rücklage für beide Kätzchen entschieden.

Wie viel Kosten Katzen im Krankheitsfall verursachen können, das hatten wir damals jedoch auch nicht geahnt. Und dass auch gutes Futter wohl krank machen kann, das haben wir erst vor ein paar Jahren erfahren.

Vor ein paar Tagen gab es gerade einen Infostand von 'Menschen für Tiere e.V.' vor Klein Katzes wichtigstem Supermarkt (Roastbeef). Die haben eine Reihe sehr guter Broschüren, deren Links ich hier gleich auf dem Blog aufgenommen habe. Denn ich denke mir, dass immer noch viele, die mit dem Gedanken spielen ein Tier haben zu wollen, den Zeitaufwand und die Kosten unterschätzen, wenn ein Tier = Lebensgefährte krank wird.

Wir haben ja auch nicht damit gerechnet, sind aber nun durch meine 103-jährige Großmutter schon seit Jahren sensibilisiert, wie lang und schwer der Weg zwischen etwas pflegebedürftig und sterben sein kann. Aber zwischendurch gibt es immer mal wieder erstaunliche Momente, wenn die Demenz mal für eine kurze Zeit verschwunden ist ..

Das heißt aber nicht, dass ich gegen Sterbehilfe bin, wenn das Leiden zu viel Raum im Leben einnimmt.